Erzählwettbewerb Stadt und Land

Roya setzt sich auch gegen die Konkurrenz aus anderen Schulen durch

 


Noch einmal durfte Roya ihre Geschichte „Die Realität im Spiegel“ lesen, dieses Mal vor Eltern, Freunden, Geschwistern und Lehrkräften. Gemeinsam mit Mica (Friedrich-Ebert-Gymnasium, Mühlheim) und Maximilian (Weibelfeldschule, Dreieich) hatte sie sich gegenüber den anderen Teilnehmer*innen durchgesetzt, landete auf einem tollen 1. Platz und freute sich über den Büchergutschein.

 

 

 

Frau Augustin lobte ausführlich die besonderen Qualitäten der drei Geschichten, die unterschiedlicher nicht hätten sein können (lustig, kritisch, ernst) und das Publikum in ihren Bann zogen, zumal auch der Vortrag immer gelang. Mit dieser erfreulichen Platzierung geht der Erzählwettbewerb 2017/18 zu Ende, der Dank der tollen Unterstützung durch Schüler*innen der Q1/2 und Q4, aber auch aufgrund der guten Vorbereitung durch die Lehrkräfte und die reibungslose Kooperation mit den anderen Schulen, wieder viel Spaß gemacht hat. Inzwischen findet dieser Wettbewerb an verschiedenen Schulen sogar kreative Ausgestaltungen und Fortführungen. So wurde die Geschichte des Schulsiegers vom letzten Schuljahr am Friedrich-Ebert-Gymnasium in Mühlheim durch einen Kurs Darstellendes Spiel umgesetzt und auf die Bühne gebracht. An der Weibelfeldschule wird die Prämierung der Schulsieger*in als Veranstaltung für den ganzen Jahrgang von Schüler*innen der Oberstufe vorbereitet und moderiert. Wir gratulieren Roya zu ihrem Erfolg und hoffen, dass sie (und alle anderen Erzähltalente) weiter Spaß am Schreiben hat. Wer Interesse hat, Royas Geschichte zu lesen, kann dies mit folgendem Link tun:

 

 


(Bild & Text: Sim/Aug / red. Bearb.: Blu)

 

 


 

 

Im Folgenden wollen wir die Siegergeschichte wiedergeben, um auch andere daran teilhaben zu lassen:

 

 


 

 

Die Realität im Spiegel



Wumm! und da lag ich mit dem Gesicht auf dem Teppich. „Autsch“, es fühlte sich an, als ob ein Pferd mit seine Huf gegen mein Gesicht geschlagen hätte. Meine Oma hatte nämlich gerade den Boden gewischt und als ich den Teppich überqueren wollte, lag ich auch schon flach. War ja klar, dass das ausgerechnet mir passierte. Es ist Freitag nach der Schule und ich wollte mich einfach nur ausruhen.

Ich beschloss mir eine heise Schokolade zu machen und mich einfach nur auf die kuschelige Couch zu schmeißen und nichts zu tun. Mit meiner Tasse schlenderte ich zur Couch und genoss die Stille. Man hörte nur das leise Ticken der Uhr und…warte mal, das kann doch nicht sein! Gerade jetzt, wo ich hier so schön gemütlich lag und mal an nichts denken wollte, flog vor meiner Nase die ganze Zeit eine blöde Fliege rum.
Ich merkte, wie ich immer genervter und wütender wurde, dann wurde es wieder ganz still. Als ich mich jedoch hochbeugte, sah ich, wie die Fliege auf meinem Knie hockte und mich ansah. Ich weiß, das klingt unglaubwürdig, aber ich wusste es irgendwie. Und dann ging es erst richtig los. Ich schlug mit voller Wucht auf mein Knie (auf dem die Fliege saß ) doch sie entwischte. Ich raffte mich auf und rannte ihr hinterher. Da merkte ich erst, wie mein Knie schmerzte, aber es war mir egal. Mir war klar, dass ich dieses Fliege einfach nur noch loswerden wollte. Also fasse ich mich mal kurz.

Ich sprang mit einem Schwung über das Bett, rannte weiter bis in die Küche, hüpfte wie ein betrunkener Frosch auf den Tisch, denn die Fliege saß auf der Küchenlampe und dann…wumm. Ich haute mit voller Wucht auf die Fliege und traf. Ich erwischte mich, wie ich grinsen musste. Mir war alles egal, auch meine Hand, die vor Schmerzen um Hilfe schrie. Ich war einfach nur noch froh, dass die Fliege weg war.

An diesem Tag passierte nichts Besonderes mehr, außer, dass meine Oma mich fragte hatte, ob ich krank sei. Und da war ich ein bisschen eingeschnappt. Als ich dann aber in den goßen Spiegel sah, zuckte ich zusammen. Meine Oma hatte irgendwie recht, (also nicht, das ich wirklich krank war), aber ich sah wie ein verprügeltes Meerschweinchen aus. Meine Mundwinkel zuckten bei dem Anblick in die Höhe.

Abends um zehn Uhr lag ich völlig erschöpft im Bett. Meine Gedanken lockten mich wieder zu dieser Fliegengeschichte. Mein Kopf wurde immer schwerer und langsam entflogen meine Gedanken. Ich schlief tief und fest.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, kam ich mir vor wie eine nicht ausgeschlafene Fliege. Aus irgend einem Grund war mir nicht gut zumute. Es fühlte sich irgendwie komisch an. Vom Bett aus schaute ich in den Spiegel, der links neben mein Bett hing. Aber das, was ich sah, war…NICHTS, einfach NICHTS.

Mein Herz rutschte tief in meine Hose. Mein Mund war ganz ausgetrocknet und ich wollte gerade laut gähnen, aber als ich meinen Mund öffnen wollte, kam nur ein komisches, kribbelndes „Bsssssss“ raus. Ich erschrak und schaute erneut in den Spiegel. Ich war im Unrecht, im Spiegel war doch etwas zu sehen, etwas ganz ganz kleines…eine Fliege.

Nachdem ich gefühlte sechs Stunden in den Spiegel geguckt hatte, war mir klar geworden, das ICH die Fliege war. Ich weiß, dass ihr mir jetzt bestimmt nicht glaubt, ich kann mir ja selbst nicht richtig glauben, aber es ist leider Gottes wahr. Ich war genau genommen eine EINTAGSFLIEGE. Ich weiß das so genau, weil mein Papa Biolehrer ist. Aber so etwas hatte selbst er nicht erlebt. Ich war so ratlos, ich wusste einfach nicht was ich jetzt machen sollte. Wisst ihr, was Eintagsfliegen so machen??? Ich versuchte mir eine To do-Liste im Kopf zu erstellen. Ich wollte zuerst mit Fliegen anfangen, denn ohne zu fliegen wäre ich echt hilflos, denn man flog ja schließlich als Fliege. Ich streckte meine kleinen Beinchen und bewegte meine Flügel, immer schneller und schneller und schon flog ich. War ja gar nicht so schwer, wie ich gedacht hatte. Naja, ich war jetzt auch kein Profi, aber ich schwirrte ein bisschen, wie besoffen, umher. „Boooonngg“, da war ich mit voller Kraft gegen mein Fenster geflogen. Ich raffte mich auf und versuchte einen Neustart. Ich setzte mein Minihirn in Bewegung. Da entdeckte ich, dass das Fenster gekippt war und flatterte durch den Spalt. Von meinem Fester aus habe ich einen perfekten Blick in unseren Garten. Es war schon ein komisches Gefühl, in dieser Körpergröße unseren Garten anzuschauen. Alles war so groß und mächtig und ragte regelrecht zum Himmel hinaus. In Gedanken verloren, kam meine Oma in den Garten. Sie stand auf der Terrasse und blickte sich auch im Garten um, dann erst wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. Mir fiel ein, dass meine Oma mich auf gar kein Fall so sehen darf. Meine Gedanken wollten schon weiter rennen, aber ich hielt sie auf. Meine Oma wusste ja überhaupt nicht, das ich eine Fliege bin. Jetzt erst bekam ich Angst und mir wurde bewusst, in welcher Lage ich mich befand. Ich bekam Panik.
In mir ratterten 1000 Fragen. Werde ich jemals wieder ICH, und wenn ich als Fliege sterbe, bin ich dann für immer tot??? Als ich sah, wie meine Oma gerade wieder reingehen wollte, beschloss ich ihr zu sagen, wer sich in echt hinter der Fliege verbirgt.

Also flog ich im rasendem Tempo zu ihr und schrie: „OMAAAAA, ich bin’s! MIIILAAA!“ Aber heraus kam nur ein zerknirschtes „BSSSSSS“.

Oma nahm mich gar nicht zur Kenntnis. Ich hatte vergessen, das Fliegen kein Menschisch in ihrem Wortschatz besaßen. Ooh Mann, war ja klar, dass das nicht so einfach werden kann. Ich flog  durch die Tür in das Haus rein und roch ein verführerischen Duft, mmmhhh. Jetzt merkte ich, das ich total Kohldampf hatte und folgte dem Duft, der von der Küche her kam. Ich machte mich über die Tomaten her, die meine Oma schon für das Frühstück vorbereitet hatte. Ich hockte mich auf die XXL Tomate und schlürfte genüsslich, wie Fliegen das halt so machen. 
Jemand kam in die Küche. Als ich mich umdrehte, sah ich, wie meine Oma den Teller neben mir nahm und gerade weggehen wollte, als ihr Blick auf mich fiel. Ich war heilfroh, endlich hatte sie mich bemerkt, ENDLICH.

Vor Erleichterung merkte ich nicht, wie sich etwas Großes, Mächtiges näherte und „FLATSCHHH“, mit Kopfschmerzen lag ich im Bett. Mein Kopf pochte und ich hörte, wie sich Schritte näherten. Mein Mund war trocken und ich hatte irgendwie einen komischen Geschmack im Mund, irgendwie nach Tomate oder so, und dann fiel mir es wieder ein.

Nein, das war ganz sicher kein Traum. Da klopfte es schon und der Türgriff wurde runter gedrückt. Meine Oma stand in der Tür und rief: „Frühstück ist fertig!!!“

Und seitdem habe ich wirklich nieeeeee wieder eine Eintagsfliege getötet, dass könnt ihr
mir glauben.

 

 

Roya P.