Buchenwald

Die 10. Klassen konfrontiert mit den Schattenseiten deutscher Geschichte

 

 

Am Dienstag den 20. März 2018 haben die Klassen 10c und 10e das KZ Buchenwald auf dem Ettersberg nahe gelegen an der Stadt Weimar besucht.

 

Nach 3  1/2  Stunden Fahrt kamen wir bei Schnee und einer Eiseskälte auf dem Parkplatz des KZ an. Zuvor haben wir einige Kilometer vorher ein später erbautes Mahnmal gesehen. Anschließend sind wir die letzten Kilometer auf einem holprigen Weg gefahren, welcher auf den Berg in den Wald hinein führte.

 

Nach kurzem Warten schauten wir uns einen Film im Kino, das in einer früheren Ausbildungs-Kaserne errichtet wurde, an. Der Film zeigte den Aufbau des KZ, Fakten über die Ermordeten und ihre Anzahl, die Befreiung des KZ durch die Amerikaner, sowie Erfahrungsberichte von Augenzeugen.


Danach haben wir uns auf dem Platz vor dem Kino zusammengefunden und auf unseren Guide gewartet. Dieser hat uns zuerst den Übersichtsplan des KZ gezeigt und erklärt.


Abbildung 1: Übersichtsplan des KZ.


Er führte uns eine kurze rutschige mit Schnee vereiste Treppe hinunter  und beschrieb, dass das KZ auch als Ausbildungsstätte der SS(Schutzstaffel) genutzt wurde.

Der Dienst im KZ war freiwillig und man hatte keinen Nachteil, wenn man diesen nicht ausführte. Trotzdem meldeten sich immer genügend junge Männer um im KZ ihre Dienste zu leisten, weil sie dies als richtig empfanden. Es waren 17 Kasernen, für je 100 Mann vorgesehen und auch immer gut besetzt. Doch von diesen Kasernen stehen heute nur noch wenige und werden heute zur Verwaltung der Gedenkstätte Buchenwald genutzt.

Als wir weiter durch den Schnee gingen zeigte der Guide uns nach einigen Metern eine kleine Tafel, welche geradeso aus dem Schnee ragte. Auf dieser war ein Bild von Häftlingen, die auf der „Blutstraße“, welche ebenfalls von Häftlingen erbaut wurde, in tiefem Schnee, aber ohne Winterbekleidung, unter Aufsicht eines SS-Soldaten in schwarzem Wintermantel,  entlang marschierten. Der Guide erklärte uns, dass unter den Gefangenen einige bevorteilt wurden (z.B.: bessere Versorgung mit Lebensmitteln) und als „Ordnungswahrer“ über den anderen Häftlingen standen. Diese wurden Funktionshäftlinge genannt.

Wir wurden entlang des „Blutweges“ zu einem Gebäude geführt, in dem die Lagerkommandanten arbeiteten. Unter anderem hatte dort auch General Karl Otto Koch sein Büro. Er war Lagerkommandant und korrupt, denn er bereicherte sich an beispielsweise den Goldzähnen der verstorbenen Häftlingen, welche eigentlich Staatseigentum waren. Außerdem hatte er keinerlei Probleme damit jemanden umzubringen, der dahinter kam. Später wurde er dafür von einem Erschießungskommando der SS hingerichtet.

Als wir weiter gingen tauchte aus dem Nebel das bekannte Eingangstor des KZ auf.


Abbildung 2: Das Eingangstor des KZ.


Wir gingen rechts von dem Tor in einen Raum, in dem ein Modell der gesamten damaligen Gebäude des Ettersbergs aufgebaut war.  Hier erklärte der Guide uns dieses Modell. Er erzählte uns, dass auf dem Ettersberg  eine große Ausbildungsstätte der SS war, die Verwaltung des KZ, ein Steinbruch in dem die Häftlinge arbeiteten, das große Tor mit den Arrestzellen, das Arbeitslager an sich mit dem Krematorium und den nachher erbauten Gebäuden durch die sowjetische Besatzung.  Und, dass die Generäle  am Ettersberg in der Nähe des KZ große Villen besaßen in denen sie mit ihren Familien wohnten. Auch General Koch besaß eine dieser Villen und eine Reithalle mit Spiegeln. Diese ließ er sich ebenfalls  in der Nähe des KZ im Wald erbauen, um auch bei schlechtem Wetter reiten zu können. Hier fiel uns der  enorm starke Kontrast zwischen den Menschen, die im Winter im KZ erfrieren mussten und der mit Spiegeln besetzten Reithalle für die Pferde und das eigene Vergnügen auf.

Das Besondere am KZ Buchenwald ist, dass es ein kleineres KZ im eigentlichen KZ hat. In dieses kleinere KZ kamen kranke, alte und nicht arbeitsfähige Menschen. Wer in dieses hinein kam hatte keine Chance zu überleben, da die medizinische Versorgung und die Versorgung mit Lebensmitteln noch schlechter waren, als sowieso schon. In dem Film, welchen wir im Kino gesehen hatten, beschrieb ein Augenzeuge, dass, als er die Schweine mit Kartoffelschalen füttern sollte und dazu durch das kleine KZ musste, er von dort Inhaftierten angefallen wurde, weil diese an die Kartoffelschalen wollten. Die Schweine waren für die Aufseher und das gesamte NS-Regime höher gestellt, wie die dort Inhaftierten.

Zudem erfuhren wir noch, dass es verschiedene Abstufungen unter den Häftlingen gab. In diesen Abstufungen, welche durch sogenannte Winkel gekennzeichnet wurden, wurden die unten stehenden sowohl von den Wärtern als auch von den höher stehenden Mithäftlingen, wesentlich schlechter behandelt. Die unten stehenden waren Juden und Homosexuelle, während politische Häftlinge besser behandelt wurden, da diese auch Arier waren.

Nun verließen wir den Raum und begaben uns zu den Arrestzellen im anderen Flügel des Tores.  



Abbildung 3: Die abgedunkelten Arrestzellen von außen.


Um zu diesen zu gelangen mussten wir durch einen schmalen Gang. In die Arrestzellen an sich konnten wir zwar nicht gehen, dafür aber konnten wir durch die Luken, welche in den Türen der Arrestzellen angebracht waren, hineinschauen. Dort  waren Biografien der ehemaligen Insassen angebracht. In diesen stand zum Beispiel, dass einem der Häftlinge die Zähne ausgeschlagen wurde, ein anderer wurde am Fuß aufgehängt. In diese Arrestzellen gelangten die Häftlinge, wenn diese gegen eine der vielen strengen  Regeln verstießen. Als wir den  Arrestzellentrakt besichtigten sind einige von uns auf Grund der Enge direkt wieder hinausgegangen. Alle anderen wurden leise, weil mit den Biografien das Kopfkino ansprang und man hier zum ersten Mal einen Ort sah, an dem Menschen mutwillig und extra langsam umgebracht wurden.

Als nächstes traten wir durch das Tor des KZ mit dem bekannten Schriftzug „Jedem das Seine“.  


Abbildung 4: Schriftzug des Tores des KZ.


Dieser Schriftzug zeigt eine gewisse Ironie auf, da nach diesem alle Inhaftierten dieses Schicksal verdienten - und das nur, weil man zufällig an etwas anderes glaubt.

Dann wurden wir zu einem Mahnmal geführt auf dem alle Länder aufgeführt waren aus denen Gefangene  deportiert worden waren. Dieses Denkmal war auf 37°C beheizt, was der menschlichen Körpertemperatur entspricht und für die Körper der Verstorbenen steht. Bei dem Schnee war das gut sichtbar, da der Schnee überall lag, nur nicht auf der Platte des Denkmals.


Abbildung 5: das beheizte Mahnmal.


Hinter uns befand sich der Appellplatz, welcher auf Grund des Nebels nur begrenzt zu sehen war.  

Auf dem Appellplatz mussten sich die Häftlinge morgens und abends zusammenfinden. Hier wurde man zur Arbeit eingeteilt und die Anwesenheit wurde kontrolliert. Falls jemand fehlte mussten die Häftlinge so lange stehen, bis dieser gefunden wurde. Der längste Appell dauerte 72 Stunden und fand im Winter statt. Hierbei erfroren viele Menschen.


Abbildung 6: Der Appellplatz.


Anschließend sind wir an dem Stacheldrahtzaun, welcher damals unter Strom stand und das Lager begrenzte, vorbeigelaufen. Uns wurde erzählt, dass einige der Gefangenen, die ihre Qual nicht mehr aushielten, absichtlich in diesen unter Hochspannung stehenden Zaun rannten.

 

Abbildung 7: Am Stacheldrahtzaun.


Auf der anderen Seite des Zauns, also außerhalb des KZ, befand sich ein öffentlicher Zoo, von dem aus man hätte sehen können, was in dem KZ passiert. Der Zoo ist heute nur noch in kleinen Teilen zu sehen. Trotzdem wurde dieses von den Bürgern verdrängt oder sogar als richtig empfunden. Hierzu wurde uns ein Bild von General Koch gezeigt, wie er mit seinem Sohn ein Reh füttert. Der Mann, der ohne mit der Wimper zu zucken Menschen umbrachte steht neben seinem kleinen Sohn und ermutigt ihn ein Reh zu streicheln.

Der Zaun wurde rund um die Uhr bewacht und ab ca. 5 m vor dem  Zaun begann die sogenannte Todeszone, da man, wenn man diese betrat erschossen werden durfte, weil man angeblich  versuchen würde zu flüchten.

Diejenigen, die versuchten zu flüchten und es schafften aus dem KZ herauszukommen, aber dabei erwischt wurden, bekamen einen weißen Kreis mit einem roten Punkt in der Mitte auf den Rücken gemalt, damit man sie besser sehen könne, falls sie erneut versuchen würden zu fliehen. Einige der Wärter machten sich einen Spaß daraus die Mütze eines dieser Gefangenen zu nehmen und in die Todeszone zu werfen. Anschließend wurde dem Häftling befohlen die Mütze zu holen. Wenn dieser dies tat wurde er erschossen, weil er einen Fluchtversuch begangen hätte. Holt er die Mütze nicht wurde er wegen Ungehorsam ebenfalls umgebracht.

Anschließend wurden wir zum Krematorium geführt. Dort wurden den Leichen, welche kaum noch als Menschen zu erkennen waren, die Goldzähne von anderen Häftlingen, die dazu eingeteilt waren, herausgebrochen und gesammelt. Unter anderem wurde die Haut der Toten abgezogen und als Leder verwendet. Die Organe wurden als Lehrmittel an Schulen genutzt.  Danach wurden die Leichen in großen Öfen mit mehreren anderen verbrannt. Den Angehörigen der Toten wurde angeboten die Asche dieser zu kaufen. Da die Leichen aber zu mehreren verbrannt wurden war die Asche nicht eindeutig zuzuordnen.

Dann gingen wir zu einer später erbauten Genickschussanlage, die als Arztpraxis getarnt war, damit die zu erschießenden keine Panik bekamen. Die Gefangenen warteten bis sie aufgerufen wurden und gingen in das vermeintliche Behandlungszimmer. Dort wurden sie kurz angesehen und wurden dann zur Messung der Körpergröße in einen Nebenraum geschickt. In diesem angekommen stellten sich die Gefangenen mit dem Rücken an die Messlatte und wurden von hinten durch einen Spalt erschossen.  



Nach der ca. 90-minütigen Führung gingen wir in das Museum. In diesem waren viele Biografien der damals Inhaftierten ausgestellt und Kleider  und Schüsseln der ehemals Gefangenen. Zu den Kleidern war geschrieben, dass diese  von den Toten an andere Häftlinge weitergegeben wurden, was man als Respektlosigkeit sehen kann, da man eigentlich aus Respekt vor dem Verstorbenen die Kleider entsorgt.


Abbildung 8: Kleidungsstücke der ehemals Inhaftierten (hier: politische Häftlinge, was man an den roten Winkeln erkennen kann).


In einer anderen Abteilung des Museums waren die Metallschüsseln, welche man brauchte um Essen zu bekommen. Es war nicht selten, dass einem die Essschüssel gestohlen wurde und man dann jemand anderem die Schüssel stehlen  musste, um selbst nicht zu verhungern, und damit auf sich nehmen musste, dass stattdessen ein anderer verhungerte. Dies spiegelt die Verzweiflung der Häftlinge wieder.

Zusätzlich waren auch noch andere zum Nationalsozialismus gehörende Gegenstände ausgestellt.


Abbildung 7: Töpfe der ehemals Inhaftierten.


Auch, wenn wir im Geschichtsunterricht recht lange und intensiv über den Holocaust, die Massenermordung der Juden und dem allgemeinen Antisemitismus geredet hatten, war es schockierend den Ort zu sehen an dem Menschen andere Menschen umgebracht hatten ohne auch nur die kleinsten Gewissensbisse zu empfinden oder, dass sie es sogar als richtig empfanden. Es scheint als wäre es für die Häftlinge ein Kampf ums Überleben gewesen. Nie war es vorauszusehen, ob man den nächsten Tag noch erleben würde.



(Yveta Humlova, Isabel Benali, Ricarda Rosenow (alle Klasse 10c) / red. Bearb.: Blu)