Dr. A. Micheels - Klimawandel

"Weil es uns alle angeht" im zweiten Vortrag der dritten Staffel der Ringvorlesung eine Antwort auf die Frage, "Was wir aus der Vergangenheit für unsere Zukunft lernen können"

 

 

Eingangs informierte Herr Dr. Micheels seine Zuhörer zunächst einmal darüber, woraum es sich beim Neogen überhaupt handelt:ein Erdzeitalter, das vor ca. 23 Millionen Jahren begann und vor etwa 1,8 Millionen Jahren vom Quartär ebgelöst wurde, das bis heute andauert.

 

Das Neogen, in dem die Entwicklung der Vögel und Säuger stattfand und in dem eine langsame Abkühlung der Erde begann, die in die ersten Eiszeiten des Quartärs mündete, hat es Herrn Dr. Micheels schon seit Studententagen angetan und war auch Gegenstand seiner Doktorarbeit. Damit sprach hier zum schulischen Publikum ein ausgewiesener Experte.

 

 

Was ist eigentlich das Neogen und wie "sah" das Klima damals "aus"...?

 

Von Interesse werden solche fernen erdgeschichtlichen Epochen dadurch, dass sich Prozesse etwa der Klimaentwicklung mit denen unserer heutigen Zeit vergleichen lassen.

 

Auf den ersten Blick mag sich der Laie wundern, wenn man eine Abkühlungsphase zum Vergleich für eine Erwärmungsphase heranzieht, aber es ging Herrn Dr. Micheels um einen Aspekt, der bislang in den Klimamodellen (viel zu) oft vernachlässigt wurde: den Einfluss der Vegetation auf das Klima.

 

 

Welchen Einfluss hatte und hat die Vegetation auf das Klima?

 

Dem üppigen Bewuchs der Erde in der Zeit des Neogens mit ihrem klimakühlenden Effekten stehen die zunehmend gerodeten Flächen heutiger Kulturlandschaften entgegen. Wo früher dichte Wälder als CO2-Kollektoren und Wasserspeicher wirkten, erodieren heute oftmals karge, nährstoffarme Äcker oder Brachflächen, produzieren versiegelte Wohn- und Industrieflächen ihre klimaschädlichen Abgase oder riskiert man mit artenarmen Monokulturen den Komplettausfall ganzer Anbaugebiete durch massiven Schädlingsbefall infolge mangelnder Biodiversität.

 

Die Befunde der Untersuchungen von Fossilien und Bohrkernen und die Modellierung der Klimaentwicklung in verschiedenen Konstellationen legt dabei nahe: selbst lokale Veränderungen der Vegetation können globale Auswirkungen haben.

 

 

Aus den Befunden lassen sich vielfältige (und besorgniserregende) Rückschlüsse ziehen...

 

In diesem Sinne gilt es,

1. die Vegetation in stärkerem Maße als bisher in die Berechung der Klimamodelle zur Voraussage der weiteren Klimaentwicklung einzubeziehen 

und

2. unsere Vegetation zu schützen - und zwar auch ganz im Sinne des Mottos "think global - act local".

 

Bleibt zu hoffen, dass in Zeiten schnelllebiger Momentbezogenheit und tatsächlicher sowie angeblicher Fake-News-Schwemmen die Nachrichten aus der fernen Vergangenheit ernstgenommen werden, um aus dieser zu lernen.

 

Man könnte also - in Anlehnung an August Heinrich Hoffmann von Fallersleben - folgenden Schluss ziehen:

 

Im Walde möcht' ich leben
Zur heißen [Quartär]zeit!
Der Wald, der kann uns geben
Viel Lust und Fröhlichkeit.
In seine kühlen Schatten
Winkt jeder Zweig und Ast;
Das Blümchen auf den Matten
Nickt mir: komm, lieber Gast!
[...]
Von jedem [der Modelle]
Hör nur, wie's [mahnend] schallt!
[Wie warm's auch wird, auf alle Fälle]
Kommt, [schützt den] grünen Wald!

 

Wem das zu pathetisch ist, der möge sich die harten Zahlen und Fakten vor Augen führen, er wird, wenn er ehrlich mit sich selbst ist, die Bedeutung des Waldes beziehungsweise allgemein der Vegetation für unser Alltagsleben ebenso wie für die Zukunft unseres Planeten und dessen Bewohnbarkeit keineswegs zu hoch schätzen können...

 

 

 

 

 

(Blu)