K. Walther - Wildlifefotografie

"Natur(wissenschaft) trifft Technik" im ersten Vortrag der dritten Staffel der Ringvorlesung in Form einer "Einführung mit Präsentation"

 

Die inzwischen bereits dritte Staffel der von Carlo Stottmeier initiierten Ringvorlesung, in der Lehrkräfte der Leibnizschule über ihnen am Herzen liegende Themen referieren, eröffnete im Schuljahr 2017/2018 Herr Walther mit einer Einführung in die Natur- insbesondere (Wild-) Tierfotografie.

 

 

Einführende Ein- und Ausblicke bezüglich der Technik(en) der Naturfotografie...

 

Herr Walther, der über jahrelange Erfahrung im Bereich der Naturfotografie verfügt, erläuterte zum einen die Ausrüstung, mit der er gute Erfahrungen gemacht hat. Er stellte verschiedene Kamertypen und diverses Zubehör vor und erörterte Vor- und Nachteile der verschiedenen Modelle.

 

Vor allem aber ging er darauf ein, worauf es seiner Erfahrung nach beim Fotografieren selbst ankommt, was wir anhand ausgewählter Beispiele aus seinem eigenen Werk illustrieren wollen:

 

 

Zur rechten Zeit am rechten Ort...

 

Um außergewöhnliche Bilder von möglichst außergeöhnlichen Tieren machen zu können, muss man wissen, wann und wo man welche Arten findet.

 

Wer da auf dem Laufenden ist, wird mit etwas Glück dadurch belohnt, Fotos machen zu können, die sonst keiner machen kann. Es lohnt sich beispielsweise, die aktuellen Sichtungsmeldungen zu verfolgen und sich mit Erscheinungsbild, Lebensweise und Verhalten einer Art vertraut zu machen, wenn man etwa einem Tahaweber (Euplectes afer) nachspürt, den zwar nach ersten Sichtungen viele Orinthologen suchen, aber nicht einmal eine Handvoll zu sehen bekommt. 

 

 

Es braucht Geduld...

 

Wildlifefotografie erfordert zweierlei einander Konträres: VIIIIIIIIEL Geduld, zugleich aber auch die Geistesgegenwart, im richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken. Geduld aber braucht man dabei nicht nur für die Phase des Wartens auf jenen Moment, sondern auch und vor allem mit sich selbst: Da nicht jedes Tier "mitspielt", wie man es sich wünschen würde, muss der Tierfotograf über eine hohe Frustrationstoleranz verfügen und über die Bereitschaft, es immer und immer wieder zu versuchen.

 

Besonders augenfällig wird das beim Versuch, eine Ödlandschrecke, sei es die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) oder die Rotflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda germanica) in genau jenen Momenten abzulichten, in denen ihre die meiste Zeit über (durch ihre Tarntracht) äußerst effektiv versteckte namenstiftende Schönheit am besten zur Geltung kommt - nämlich im Moment der Flucht (aus dem Bild...)!

 

 

Auf den richtigen (Augen-) Blick kommt es an...

 

Neben der Geduld braucht der Naturfotograf vor allem ein Gespür für das richtige Motiv.

 

Selbst kleine Details können dabei große Schatten werfen, manchmal lohnt es sich auch, Nebensächlichkeiten in den Fokus des Bildes zu rücken.

 

So kann etwa der Schatten einer Gottesanbeterin (Mantis religiosa) unter Umständen ein noch faszinierenderes Bild abgeben als das Tier selbst...

 

 

Naturfotografie ist eine Herzensangelegenheit...

 

Wer sich einem solchen Hobby (vielleicht gar als Beruf) verschreibt, tut dies mit Herz und Seele. Um die nötige Geduld aufzubringen und die Bereitschaft, Sichtungsgelegenheiten und die Spezifika der Arten umfassend zu recherchieren, Geld in die Ausrüstung zu investieren, und das restliche Privatleben zugunsten des Fotografierens, zugunsten des stundenlangen Ausharrens in der Natur bei Wind und Wetter zu vernachlässigen, muss man wirklich mit dem Herzen bei der Sache sein und für sie brennen.

 

Dann aber bekommt man faszinierende Einblicke in die Natur und kann diese im besten Falle sogar noch als manifestierte Erinnerung nach Hause tragen.

 

Es ist schon etwas Besonderes, das "Fluidum" eines Starenschwarms (Sturnus vulgaris) zu verfolgen und einzelne, so niemals wiederkehrende Momente dieses beeindruckenden Schwarmverhaltens (wie die hier zu erkennende annähernd herzförmige Formation) festzuhalten, einem solchen "Augenblick Dauer zu verleihen", wie Goethe (gemäß seinem Gedicht "Das Göttliche" (1783)) sagen würde.

 

 

Arthropoden sind immer ein lohnendes Motiv für Makrofotografie...

 

Arthropoden dank ihrer vielfältigen Bauplanvariationen und ihrer ebenso bunten Vielfalt an Farben und Mustern sind - sofern sie stillhalten oder man schnell genug auslöst, stets lohnende Objekte für Makrofotografie, ein ganz eigenes Gebiet der Naturfotografie, das dem Betrachter eine Welt von faszinierenden und oft verblüffenden Details enthüllt, die das bloße Auge nie zu Gesicht bekäme...

 

 

Ein Orni und Fotografiefan in Personalunion ist eine beflügelnde Kombination...

 

Treffen Naturfotograf und ein Vogelkundler (Ornithologe, kurz "Orni") in einer Person zusammen, wie es bei Herrn Walther der Fall ist, eröffnet sich dadurch ein weiteres Spezialgebiet der Naturfotografie, das dem Fotografen vor allem dadurch einiges abverlangt, dass seine Objekte in der Regel flugfähig sind - und von diesem Vermögen, insbesondere bei unbedachtem Verhalten des Fotografen, nur allzu gerne Gebrauch machen. Aber was ein echter Orni ist, ist es gewohnt, stundenlang auszuharren, die Umgebung unablässig mit dem passenden visuellen Filter nach gesuchten Mustern (Form, Farbe, Verhalten) zu scannen und im Zweifelsfall schnell zu reagieren, um das Objekt der Begierde zu erwischen.

 

Insgesamt bot Herr Walther seinem Publikum aber neben einem sehr informativen Fachvortrag vor allem ein sehr ausgewogenes Spektrum an wunderbaren Bildern - keine Effekthascherei, sondern neben spektakulären Schnappschüssen auch viele ruhige Momente, die sich nicht allein an den gezeigten Tieren selbst erfreuten, sondern auch an deren je eigener Ästhetik ihrer Erscheinung.

 

Ein Vortrag, an dem sich das visuelle Gedächtnis der Betrachter seiner Bilder noch lange wird weiden können...

 

 

 

 

(Bild & Text: Blu; Naturfotografie: Wal)