C. Stottmeier - Stromton

Der fünfte Vortrag der zweiten Staffel der Ringvorlesung informierte über "Funktion und Geschichte synthetischer Klangerzeugung"

 

 

 

In seinem eigenen Beitrag zur zweiten Staffel der von ihm initiierten Ringvorlesung informierte Carlo Stottmeier über ein Thema, das mehrere seiner Interessen verbindet: Der Musiker und Komponist und Technik-Freak, Musiklehrer und Leiter der Technik-AG, die für die Licht-, Ton- und Bühnentechnik unserer Schulaufführungen zuständig ist, konfrontierte sein neugieriges Publikum mit der Entwicklung synthetisch erzeugter Musik.

 

 


Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf der Geschichte der für die elektronische Klangerzeugung verantwortlichen elektronischen Instrumente. Das Spektrum reichte dabei vom Thermen (Lew Thermen, 1920) und dem Trautonium (FriedrichTrautwein, 1930) über den noch schrangroßen Synthesizer Moog Modular (Robert Moog, 1964) und seinen „kleinen Bruder“ Minimoog (Robert Moog, 1970) bis hin zu den – teils in Zusammenarbeit mit dem E-Gitarren-Entwickler Leo Fender – entwickelten Keyboards von Harold Rhodes und dem Synthesizer Mellotron (Leslie, Frank und Norman Bradley, 1963).



Herr Stottmeier ging dabei recht detailliert auf den Bau der Geräte und auch deren jeweilige Technik der Stromerzeugung ein, die er dem Publikum möglichst anschaulich näherbringen zu suchte. So erläuterte er etwa, wie die Tonerzeugung mit der Klangerzeugung und -modulation durch Tieffrequenz-Oszillator (LFO) und Spannungsgesteuerten Oszillator VCO beginnt, woran sich eine weitere Modifikation vor allem der Klangfarbe durch Spannungsgesteuerte Filter (VCF) anschließen kann, bevor mittels Spannungsgesteuerten Verstärkers (VCA) und letztendlicher eigentlicher Schallquelle die Klänge in einer goutierbaren Form nach außen gelangen. Man lernte, dass es verschiedene Formen bzw. „Farben“ von Rauschen gibt, wie diese sich „zähmen“ und einsetzen lassen, welche Wellenformen es gibt und was es mit Hüllkurven auf sich hat.



Trotz all dieser anspruchsvollen technischen Erörterungen geizte Herr Stottmeier auch nicht mit Klangbeispielen unterschiedlichster Art.



Das enervierende Pfeifen reiner Sinusschwingungen hätte einen dabei vielleicht beinahe aus der Veranstaltung getrieben, hätten diesem nicht die ätherischen Klänge des Theremins gegenübergestanden oder einen Herrn Stottmeiers höchst interessantes eigenes Werk „365 – Eine algorithmische Komposition“ besänftigt, bei dem computergestützt pausenlos Musik für ein gesamtes Jahr erzeugt wird.



Alles in allem nahm Herr Stottmeier sein Auditorium mit auf eine faszinierende Reise in eine Welt der elektronischen Musik, deren Äußerungen uns zwar längst allgegenwärtig sind, deren Hintergründe der Durchschnittsbürger aber kaum kennen dürfte, ohne dass sie deshalb aber weniger der Betrachtung wert wäre. Wie immer lohnte es sich, der Ringvorlesung sein Interesse und Ohr zu leihen, und diesmal bekam letzteres wirklich mancherlei Unerhörtes zu hören, wodurch ersteres vollauf befriedigt wurde.




(Text & Bild: Blu; Musikbeispiel: "Sonidos sintetizados con Animoog" von Luis Alvaz)