Stammformen und Schluckauf

Aufführung des deutsch-lateinischen Theaterstückes Ludus Carolinus oder: Der Kuß der Prinzessin (von J.Behrens) durch die Latein-Theater AG am 08.06.2017



„Mittere, mitto, misi, missum – amittere, amitto, amisi, amissum …“ – mitten im Aufsagen lateinischer Stammformen ertönt ein lautes „Hick!“, denn der Schüler Charlie hat sich bei diesem „Gebrabbel“ verschluckt. So entsteht eine Diskussion mit der Lehrerin über den Sinn des Lateinlernens: Frau Dr. Tympanista erklärt, dass Karl der Große im Mittelalter Klosterschulen einrichten ließ, in denen Latein als Wissenschaftssprache gepflegt wurde, und dass er selbst fließend Latein sprechen konnte. Den Einwand der Schüler, dass Karl aber gar nicht schreiben konnte, wie sein Biograph Einhard berichtet, lässt Frau Dr. Tympanista nicht gelten und so geht es weiter mit dem monotonen Rezitieren, bei dem Charlie schließlich einschläft…


Bitte einmal von I bis C zählen...
Was soll denn immer dieses elende Konjugieren einer toten Sprache...!???



Im Traum wird er an den mittelalterlichen Hof Karls des Großen versetzt, der gerade vor Schluckauf nicht einschlafen kann und sich Hilfe im Lehrbuch des „alten Plinius“ sucht. Bei dieser Gelegenheit übt er wieder einmal das Alphabet auf seiner Schreibtafel, die er aber schnell unter dem Kopfkissen verstecken muss, als sein Biograph Eginhard (Einhard) auftaucht.


Am Hofe Karls des Großen - ein Traum...
Karl kaschiert gerne seine Wissenslücken...



Neben Eginhard leben noch der Dichter Theodulf von Orleans und der Wissenschaftler Alkuin von York am Hofe. Dieser unterrichtet die Kinder Karls des Großen, die ebenfalls lateinische Stammformen „büffeln“ müssen. Ihr Vater prüft sie regelmäßig und verteilt zwar keine Noten, aber Lob und Tadel – Tadel vor allem bei Hruodtrud, die in Eginhard verliebt ist und daher gerade nur die Stammformen von „amare“ aufzusagen in der Lage ist. Als sie deswegen sogar Hausarrest in der Laube erhält, kommt ihr plötzlich Charlie zu Hilfe, der das Ganze beobachtet hat. Es gibt da allerdings ein kleines Problem: Die beiden können sich nur auf Lateinisch unterhalten.


Karls Tochter Hruodtrud leidet an aegritudine amoris...      :'-(



Charlie hilft der erstaunten Hruodtrud, indem er die Stammformen heimlich mit Hilfe eines Lernprogramms auf seinem i-phone abspielt und damit den gerade vorbeikommenden Karl wieder versöhnlich stimmt. Als Dank bekommt er einen Kuss und ist davon so „geflasht“, dass er aus seinem Traum aufwacht. Seine Mitschüler erkennen Charlie kaum wieder, denn zum einen ist er jetzt verliebt und zum anderen stellt er fest: „Ich kann einfach zu wenig Latein!“ – und daher sieht man Charlie jetzt noch nach Unterrichtsende über das Lateinbuch gebeugt beim Lernen der Stammformen …


Aufgeführt wurde das Stück mit viel Freude und Motivation von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Latein-Theater AG aus den Klassen 5a, 6a und 8b. Zum Dank für das Engagement gab es eine Woche später das traditionelle Eisessen mit Frau Zufall und Frau Stadler.



Das Ensemble der Lateintheater-AG.



Nach der Aufführung wies Herr Dombrowski noch auf den historischen Kern des Stückes hin, vor allem auf die Liebesgeschichte zwischen Einhard und Emma (im Stück Hruodtrud) sowie auf Einhards Klostergründung in Mulinheim, dem heutigen Seligenstadt.



 

(Text und Bilder: Sta / Bildunterschriften: Blu)