Für uns sozusagen ein "Brentry"

 

Faktencheck im Land der Queen

 

Englisch; auf dem Stundenplan jedes Schülers. Fast täglich wird das Englischbuch aufgeschlagen und Neues rund um die englische Sprache entdeckt. Dabei erfährt man viel über England, die dortige Kultur, das dortige Familienleben und die Anwendung der Sprache. Doch woher wissen wir, ob das, was da steht auch der Wahrheit entspricht? Ob das Leben in England genauso ist, wie wir es uns auch mit Einflüssen gern geschauter Fernsehserien ausmalen? Um dies zu erfahren, was eignet sich da besser, als einmal dort hinzufahren und alles mit eigenen Augen zu betrachten? Genau dies taten viele Schüler der neunten Klasse vor einigen Tagen, in der Woche vom 8. bis zum 13. Mai, auf einer gemeinsamen Klassenfahrt.

 

Im Voraus teilte sich die Menge an Freude der Schüler, bei Einigen war sie riesengroß, bei Anderen hielt sie sich eher bedeckt. Vor allem die Erwartungen an das Wetter ließen sich mit den Worten "kalt und nass" zusammenfassen, so ist auch das erste, was einem einfällt, wenn man an die Wetterverhältnisse in England denkt: "It's raining cats and dogs".

 

 

Ja, Regen gab es auch mal, aber er war keinesfalls die dominierende Wetterlage...
Barfuß am Strand und in kurzen Hosen durchs Watt - in der Abendsonne...

 

 

Doch fielen in Eastbourne, unsere genaue Aufenthaltsstelle, wirklich Tiere vom Himmel? Nein, ganz klar nicht. Und auch im übertragenen Sinn entpuppte sich das Wetter als das genaue Gegenteil unserer Vorstellungen. Die Sonne schien, wir könnten in kurzen Sachen herumlaufen und für Stunden am Strand sitzen. An das Meer denken die wenigsten in Verbindung mit England, obwohl Großbritannien sogar eine Insel ist, und klar ist, dass es eine Küste geben muss. Der Strand war aber nicht die einzige Möglichkeit sich die Zeit zu vertreiben. In unserer freien Zeit konnte jeder seinen Bedürfnissen nachgehen. Viele konnten in der Innenstadt ihre "Shoppinglust" stillen und in den zahlreichen Läden allerlei neues finden. Auch ohne viel zu kaufen, genoss manch einer das Bummeln durch die Stadt, während die Sonne einem wärmend auf den Rücken schien. Irgendwie Geld ausgegeben hat jeder einmal, sei es auch nur für Essen, eine Postkarte oder ein kleines Souvenir, und nie hätte man erwartet, dass dies eine so neue Erfahrung sein würde. Die englischen "Pounds" und "Pence" waren für fast jeden eine einzige Verwirrung. Ein Zusammenhang zwischen Größe und Wert der Münzen war auch mit dem besten Willen nicht zu finden. So musste jeder Kassierer eine große Menge an Geduld aufbringen und auch die wartenden anderen Kunden in der "Queue". Da es in Eastbourne aber viele Touristen und auch viele anderen Schulklassen unterwegs waren, war dies wahrscheinlich schon Gewohnheit.

 

 

Ja, England liegt am (bzw. IM) Meer, wie man etwa hier am "Beachy Head" sehen kann...
Bei Stadtrallye und Shopping in Eastbourne...

 

 

In Eastbourne wurden zwei ganze Tage verbracht, der Dienstag und der Donnerstag. Bevor wir Schüler jedoch unsere Freizeit verbringen konnten, stand jeden Tag, auch an den Tagen in London und Brighton, eine gemeinsame Aktivität auf dem Programm. Am ersten Tag in England, dem Dienstag, bestand jene aus einer Rallye durch die Stadt mit vielen verschiedenen Fragen, die es in Gruppen von drei bis fünf Personen zu beantworten galt. Dadurch lernten wir die Stadt erst einmal kennen und konnten schon Pläne für den Nachmittag entwickeln. Am Donnerstagvormittag hatten wir alle Englischunterricht an einer Schule, speziell vom Veranstalter unserer ganzen Reise. In Gruppen von fünfzehn Leuten ließen wir uns von drei Muttersprachler für jeweils 45 Minuten unterrichten, obwohl es eher Gesprächen glich, in denen wir unsere Englischkenntnisse prüfen konnten, als dem bekannten Englischunterricht aus der Schule. Die behandelten Themen waren sehr unterschiedlich, einige Beispiele wären die Royal Family, englische Sprichwörter oder Filme.

 

Auch am letzten Tag vor der Abreise, dem Freitag, war der Vormittag geplant: ein gemeinsamer Besuch des Royal Pavilions, dem Wahrzeichen Brightons. In Gruppen und mit Audioguides bewaffnet, besichtigten wir den Pavillon und erfuhren viel Neues über Georg IV., seine Interessen, seine Familie und seine Zeit. Danach durften wir wieder in kleinen Gruppen unsere eigenen Wege gehen. Auch in Brighton gab es einen Strand und auch sonst war die Stadt Eastbourne sehr ähnlich. Brighton schien jedoch etwas größer und bot die "Lanes"; kleine Gassen in der Altstadt mit kleinen Häusern und schönen Läden.

 

 

Wir fangen bei Null an - und starten unsere Tagesexkursion am Nullmerisian am Observatorium in Greenwich...
Klassenfoto der halben 9a vor der Kulisse Londons...

 

 

Das allgemein Highlight der sechs Tage war jedoch der Ausflug am Mittwoch zur Hauptstadt; London! An dem Tag hieß es früh aufstehen, um nach der fast dreistündigen Fährt noch genug Zeit in der Metropole zu haben. Nach einer kurzen Verwirrung auf Seiten der Lehrer um die Stelle zum Aussteigen, hielten wir in Greenwich und bewunderten eine wunderschöne Aussicht. Von dort aus ging es zu Fuß weiter, bis sich die Wege aller trennten. Ein Teil besuchte den Tower, ein anderer fuhr mit der Fähre direkt zur Westminster Bridge und hatte ab da schon seinen Wünschen nachgehen. Die einen waren eher auf Sightseeing, die anderen eher auf Shopping aus. Was aber jeder mitbekam, war das gehetzte Getümmel der Arbeiter. Rote Ampeln wurden kaum beachtet, überall waren Menschen und alle gingen strikt ihren Plänen nach, mit wenig Rücksicht auf andere. Es war genauso, wie die meisten sich das Geschäftsleben in London vorgestellt haben.

 

 

Fährfahrt auf der Themse inklusive Unterquerung der Tower Bridge...
London Eye und Houses of Parliament samt Elisabeth (Bell) Tower samt Big Ben...

 

 

Nach den Ausflügen wurden alle Schüler an die ihnen zugeordneten Bushaltestelle abgesetzt, wo sie auch morgens immer abgeholt wurden. Danach ging es für alle zu ihren jeweiligen Gastfamilien, was für alle, auch für die Schüler, die schon einmal in London gewesen waren, eine ganz neue Erfahrung war. Ob diese gut oder schlecht war, variierte von Schüler zu Schüler. Einige waren hellauf begeistert, andere hätten sich eine andere gewünscht. Darüber, ob sich englische Familien stark von denen in Deutschland unterscheiden, lässt sich diskutieren. Jeder hat seine Gasteltern anders wahrgenommen und natürlich ist auch jede Familie unterschiedlich, vor allem was Essgewohnheiten, Höflichkeit, Gastfreundlichkeit und Hygiene. Wahrscheinlich kann man gar nichts Allgemeines formulieren.

 

Auch das Probieren von englischen Spezialitäten, wie zum Beispiel Scones, und das Miterleben englischer Traditionen, wie zum Beispiel die allseits bekannte "Tea Time", blieb für die meisten leider aus. Deshalb und weil wir natürlich überall gewohnte Gesichter erblickt haben, vielleicht auch, weil sich die beiden Kulturen gar nicht so stark voneinander unterscheiden, litten die wenigsten unter einem Kulturschock, als wir nach der sechstägigen Reise wieder zu Hause ankamen. Auf der zweistündigen Fährfahrt, um von der Insel auf das Festland zu kommen, konnten wir uns alle nochmal die Füße vertreten, vorausgesetzt man war nicht seekrank. Sich auf dem Deck des Schiffes den Wind ins Gesicht pusten zu lassen und die von dem riesigen Schiff verursachten Wellen zu beobachten, war für alle Schüler eine schöne Erfahrung.

 

 

Ein letzter (wehmütiger) Blick auf die Kreidefelsen von Dover...

 

 

Und auch die restliche Fährt verging relativ schnell, so war man doch von netten Mitschülern umgeben und hatte die meiste Zeit viel Spaß, bis wir uns dann wieder zu Hause in gewohnter Umgebung befanden, obwohl so mancher gerne noch etwas länger geblieben wäre.

 

 

 

 

(Text: H. H. (9aG8) / Bilder und red. Bearb.: Blu)