Vom Leiden eines "Käfers"

 

Bericht zur Einführung in Franz Kafkas „Die Verwandlung“




Am Dienstag, dem 23.05.2017, bekamen die Deutsch-Grundkurse der Q2 von Frau Simons und Herrn Stottmeier eine außergewöhnliche Einführung in „Die Verwandlung“, einer Erzählung von Franz Kafka.

Zunächst einmal versammelten sich beide Grundkurse (in ihren regulären Deutschstunden) im Konferenzraum und nahmen Platz. Daraufhin wurde ein ca. 15 Sekunden langer Kurzfilm abgespielt, in welchem ein Käfer zu sehen war.

Dieser Käfer lag mit ausgestreckten, sich hin und her bewegenden Beinchen auf dem Rücken und versuchte aufzustehen. „Nichts besonderes eigentlich“, ist bei den meisten der erste Gedanke. Doch die Musik und die Bewegungen desKäfers machten diesen Gedanken zum Gegenteil. Im Hintergrund ertönte beim Abspielen des Kurzfilms eine traurige, bedrückende und schmerzerfüllte Musik, welche in Kombination mit den panischen, aussichtslosen und erschöpfenden Bemühungen des Käfers wieder auf seine sechs Beine zu kommen, viele verschiedene Gedanken und Gefühle in mir auslöste.




Der Film wurde insgesamt drei mal abgespielt und drei mal bekamen wir verschiedene Aufgabenstellungen. Beim ersten Mal haben wir uns den Kurzfilm nur angeschaut.

Untereinander kommuniziert wurde derweil nicht, hierbei sollte sich nämlich jede und jeder auf sich selbst und die eigenen Gedanken konzentrieren. Beim zweiten Mal schrieben wir alle möglichen Assoziationen, welche in unserem Kopf waren, auf ein Kärtchen auf.

Nach dem dritten Abspielen sollten wir speziell auf unsere Emotionen und Gefühle während des Films eingehen, welche wir dann im Plenum nacheinander vorgelesen haben. Dabei kamen Wörter wie „Tapfer, müde, kämpferisch, hoffnungslos, eklig/widerlich, abschreckend“ auf.

Nachfolgend teilten wir uns in sechs Stationen ein, in welchen wir die aufgeschriebenen Assoziationen und Gefühle auf besonders kreativer Art und Weise thematisieren sollten: Auf künstlerische, musikalische oder erzählerische Art und Weise, als Fotoaufnahme(n) oder als ein Stück.


Jede und jeder durfte sich einen Bereich aussuchen und seiner/ihrer Fantasie und Kreativität freien Lauf lassen. Präsentiert wurden die Werke letztendlich am vergangenen Dienstag, dem 30.05.2017, in der Blackbox. Dabei kamen spannende, vielfältige, interessante und bewegende Ergebnisse raus: Eine Gruppe zeichnete ihre Gefühle, Gedanken und Interpretationen des Kurzfilms auf Papier. Das Besondere daran war, dass jede*r sowohl etwas betrübendes, als auch teilweise etwas hoffnungsvolles in seiner/ihrer Zeichnung hatte, einen Punkt sozusagen, von dem Licht ausging oder der von der Dunkelheit von allen Seiten zurückgedrängt wurde.

Eine weitere Gruppe verwandelte ihre Gedanken in eine Klangcollage um, dessen verschiedenen Töne etwas bedrückendes, aber auch etwas nachdenkliches in mir hervorbrachten.

Zudem wurde von einer anderen Gruppe ein selbst inszeniertes Stück vorgeführt, bei dem verschiedene Arten von hoffnungslosen, zerstreuten, unsicheren, traurigen, depressiven, unter Druck gesetzten, einsamen und psychisch kranken Menschen gezeigt wurden, was ebenfalls sehr berührend und authentisch gespielt war.

Auf Fotoaufnahmen der Fotogruppe sah man einige Wahrnehmungen der Umgebung aus der Perspektive eines kleinen Käfers, womit die Fotograf*innen darstellen wollten, wie groß die Welt eigentlich sein kann und wie viele Sachen man im Alltag einfach übersieht, obwohl sie da sind.

Die letzte Gruppe, der auch ich mich zugeordnet habe, drückte ihre Gefühle und Interpretationen mithilfe von Gedichten oder anderer Textsorten aus. Ich selbst habe einen inneren Monolog über Trauer, Vorwürfe und Druck seitens der Mitmenschen bzw. der Gesellschaft, Hoffnung, Hoffnungslosigkeit, und den Umgang damit geschrieben.


Insgesamt kamen bei den Präsentationen unglaubliche, vielfältige, interessante, bemerkens- und lobenswerte Resultate raus, an denen jede und jeder mitgewirkt hat und bei denen jede und jeder die Möglichkeit hatte sich selbst und die eigenen Ideen frei entfalten zu können!

Mein Fazit: Ich hatte unglaublich viel Spaß und Freude beim Schreiben und Präsentieren!

Zudem wünsche ich mir, dass Frau Simons und Herr Stottmeier diese Form von Unterricht genauso weiterführen. Wir, Schülerinnen und Schüler, brauchen die Förderung und Ausschöpfung unseres Potenzials, das bei jeder und jedem in verschiedenen Bereichen liegt und das durch solch eine vielfältige, kreative, abwechslungsreiche und besondere Art von Unterrichtsgestaltung zum Vorschein kommt. Dadurch kriegen wir nämlich die Möglichkeit uns individuell frei zu entfalten und unsere Stärken kennenzulernen, um diese weiter auszubauen und letztendlich das zu machen, was jede*r Einzelne von uns am besten kann! Das ist Unterricht, der uns gut tut und der uns besonders viel Spaß macht. Daher an dieser Stelle auch nochmal einen ganz großen Dank und großes Lob an Frau Simons und Herrn Stottmeier, die uns diesen bereichernden Unterricht in den beiden letzten Wochen ermöglicht haben! :)






(Hibba Kauser (Q2))