Exkursion ins KZ Buchenwald

Besuch eines Mahnmals

 

Am 22.03.2017 machten wir einen Ausflug ins Konzentrationslager Buchenwald. Das KZ Buchenwald liegt nicht weit von der berühmten Stadt Weimar entfernt und ist über die sogenannte „Blutstraße“ zu erreichen, die zwischen 1938 und 1939 von Häftlingen des Konzentrationslagers erbaut wurde. Teile davon sind heute noch im Original vorhanden. Kurz bevor man auf den Parkplatz fährt, welcher in der ehemaligen SS-Siedlung liegt, kann man den „Bahnhof“ sehen, an dem zwischen 1939 und 1945 die Gefangenen in Viehtransportwagen auf engstem Raum zusammengepfercht ankamen.


Das Tor zum KZ Buchenwald...


Zu Beginn der Führung wurde uns ein Film gezeigt, in dem die schlimmen Zustände im KZ beschrieben wurden. Einer der Zeitzeugen in diesem Film sagte, dass er und die anderen Häftlinge über mehrere Stunden auf dem Appellplatz stehen mussten und dass es seiner Meinung nach einfacher gewesen wäre, alle Dinge, die erlaubt waren, aufzuzählen anstelle der Dinge, die nicht erlaubt waren.



Nachdem wir den Film zuende gesehen hatten, begann die eigentliche Führung. Zuerst gingen wir zum ehemaligen Zoo des Konzentrationslagers. Er liegt direkt am Zaun außerhalb des Konzentrationslagers. Er war für die SS-Soldaten kostenlos und die Bewohner aus Weimar konnten für 3 Reichsmark den Zoo besuchen, von dem aus man direkt auf den Appellplatz blicken konnte.


Das Bärengehege als Sinnbild der Absurdität der Nazi-Ideologie: Inszenierung bürgerlicher Rekreation in unmittelbarer Nachbarschaft zur Destruktion im Konzentrationslager...


Danach gingen wir durch die Lieferantenzufahrt zum ehemaligen Krematorium des Lagers. Es wurde erbaut, da das Weimarer Krematorium mit den vielen Toten, die verbrannt werden mussten, überfordert waren. Insgesamt hatte das Krematorium sechs Verbrennungsöfen und eine Pathologie, wo den Toten die Goldzähne entfernt wurden, deren Erlös dann in die SS-Kasse eingezahlt wurde.



Danach liefen wir über den Appellplatz zum Haupttor, wo die sogenannten „Bunker“ sind. Dort wurden die Häftlinge eingesperrt, wenn sie gegen eine der Regeln verstoßen hatten. Unsere Führerin erklärte uns, dass sie teils zu fünft in einer 1,2 x 1 m großen Zelle leben mussten. Tagsüber stehend, nachts sitzend/liegend mussten die Häftlinge zwischen 3 und 45 Tagen im „Bunker“ verbringen. In einem an das Krematorium angrenzenden Raum wurde die Genickschussanlage nachgebaut, die sich früher direkt neben dem kleinen Lager in einem der Pferdeställe befand. Dort wurde den Häftlingen erzählt, sie müssten zu einer medizinischen Untersuchung. Ihnen wurde gesagt, sie sollten sich an eine Wand stellen, damit ihre Größe gemessen werden könne, jedoch war in der Wand, kaschiert durch das an der Wand angebrachte Metermaß, ein Spalt, hinter dem ein SS-Offizier stand, der dem an der Wand stehenden Gefangenen unbemerkt ins Genick schoss. So verfuhr man meist mit alten und kranken Menschen, die als „unnötig“ oder „nicht brauchbar“ galten. Man vermutet, dass die anderen Häftlinge nichts mitbekommen haben, da den ganzen Tag über laut Marschmusik gespielt wurde.



Uns wurde anschließend erzählt, wie schwer die Arbeitsbedingungen im Lager waren. Im Lager trug man die sogenannten „Winkel“ als Erkennungszeichen der Häftlinge. Zum Beispiel gab es Unterteilungen in Juden, Homosexuelle und politische Gefangene. Vor dem Krieg gab es hauptsächlich die Arbeit im Steinbruch und die Arbeit in der Küche. Die Arbeit in der Küche war sehr beliebt, da sie nicht so schwer war wie die Arbeit im Steinbruch. Die besten Chancen auf eine Arbeit in der Küche hatten die politischen Gefangenen, geringe Chancen auf eine solche Arbeit hatten  Angehörige einer der sogenannten „minderwertigen Kategorien“ von Häftlingen.
Dazu erzählte uns die Führerin, dass ein 14-jähriges Mädchen, das in Buchenwald inhaftiert war, schwer in einer Waffenfabrik arbeiten musste. Sie musste mindestens 12 Stunden am Tag arbeiten, teilweise auch bis zu 24 Stunden ohne Pause. Einmal am Tag wurde ein solche Gefangene in einer Gruppe abgeholt, um auf Toilette zu gehen. Sie musste jeden Tag eine Mindestanzahl an Waffen produzieren. Je näher der Krieg rückte, desto mehr Waffen musste produziert werden und umso schlechter wurden auch die Arbeitsbedingungen. Wenn die Mädchen nicht die gewünschte Anzahl an Waffen produzierten, tat man ihnen oft Gewalt an.



Am Ende unserer Führung gingen wir zu einer Gedenktafel, die an all die Toten erinnern soll. Zu diesem Zweck ist die Gedenkplatte beheizt, dies soll die Körperwärme der vielen Verstorbenen symbolisieren.


Von Angehörigen gestiftete Gedenktafeln...
...für im KZ Buchenwald ermordete Gefangene...


Dort, wo früher die Baracken der Gefangenen standen, weisen nur noch Schilder auf deren Standort hin, nur eine einzige Baracke blieb erhalten und ist in der Gedenkstätte zu sehen. Im ehemaligen „Desinfektionsgebäude“ kann man eine Ausstellung besuchen, in der man Zeichnungen der Häftlinge begutachten kann. Auch die Blausäurekammern kann man besichtigen, in denen das Hab und Gut der Gefangenen gereinigt wurde.
Nach ihrer Ankunft wurden die Häftlinge in diesem Gebäude entkleidet und danach wurden ihnen die Haare am ganzen Körper abrasiert. Wenn diese Prozedur abgeschlossen war, mussten die Häftlinge in Becken mit Desinfektionsmittel eintauchen. Danach mussten die in das benachbarte Vorratsgebäude, wo sie ihre Häftlingskleidung und Schuhe mit Holzsohlen bekamen. Unter ihrer Häftlingskleidung durften die Gefangenen nichts tragen, weshalb viele Gefangene erfroren, da sie teils 19 Stunden bei -15 °C auf dem Appellplatz stehen mussten. Viele versuchten, sich aus alten Zementsäcken Unterwäsche zu fertigen, wurden sie jedoch erwischt, mussten sie mit harten Strafen rechnen.



Kurz vor der Befreiung begannen die Häftlinge, unauffällig Waffen beiseite zu schaffen. Als dann am 11. April 1945 gegen 10 Uhr morgens eine Lautsprecherdurchsage kam, dass alle SS-Soldaten umgehend das KZ verlassen sollten, begann die Befreiung. Gegen 14 Uhr fielen die ersten Schüsse in der Nähe des Haupttores, um 16 Uhr galt das KZ offiziell als befreit.
Circa 2 Wochen vor der Befreiung ließen die US-Soldaten alle Bürger Weimars zum Konzentrationslager bringen, um ihnen zu zeigen, was über den gesamten Zeitraum, in dem das Lager in Betrieb war, passiert war und wie schlimm es den Gefangenen ging.



Heute ist von dem ehemaligen Konzentrationslager nur noch wenig übrig, da viele Gebäude zerstört wurden oder einfach mit der Zeit verfielen.
Bei der Restauration der Gebäude wurde darauf geachtet, dass alles so echt wie möglich wiederhergestellt wurde. Allerdings werden sie heute natürlich zu anderen Zwecken genutzt: sie stehen im Dienste des Gedenkens an und der Aufklärung über die Grausamkeiten gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus. In der ehemaligen SS-Wohnsiedlung ist heute zum Beispiel eine Jugendherberge untergebracht Besuchergruppen, die sich vor Ort näher mit dieser Thematik befassen wollen.


Ein Lageplan des Konzentrationslagers: Erhalt und Rekonstruktion eines Ortes, dessen manche lieber vergessen würden, den manche leugnen, der aber unzweifelhaft da war und ist und erinnerungswürdig bleiben wird...


Nach offiziellen Schätzungen waren im KZ Buchenwald 250.000 Gefangene inhaftiert. Davon sind ca. 56.000 auf brutalste Weise ermordet worden.



Die Gedenkstätte Buchenwald soll vermeiden helfen, dass die Erinnerung an die Personen und an die an ihnen verübten Grausamkeiten verschwindet – und: sie soll vermeiden helfen, dass so etwas jemals wieder geschehen kann


 


(Text: Lena Steinle (9aG8) / Bilder: M. Tello & F. Sylka (jew. 9aG8) / Bildunterschriften und red. Bearb.: Blu)