GG19 - Ein guter Tag für die Demokratie

 

Menschen, tierische spannende Diskussionen und sensationelle Filmbeiträge

 

 

Am 17.09.2015 besuchte das Schulprojekt "GG19 - Ein guter Tag für die Demokratie" die Q1 der Leibnizschule.
Aufhänger für diese Veranstaltung, die von der PoWi-Fachschaft, insbesondere von Herrn Kunitsch, betreut wurde, war der Episodenfilm "GG19", der die in den ersten 19 Artikeln des Grundgesetzes verankerten Menschenrechte beleuchtet. Diese Filme wollen und sollen als Denkanstoß und Diskussionsgrundlage dienen. Wer sie sich anschauen möchte, findet sie bei "Planet Schule".

Um es nicht beim bloß passiven Genuss der Filmbeiträge zu belassen und um der Veranstaltung mehr Tiefe un Nachhaltigkeit zu verleihen, traten zwei weitere Veranstaltungsblöcke hinzu, die für die Schüler viel ertragreicher waren:


Begrüßung der Diskutanten durch Schulleiter Dombrowski und Eröffnung der Diskussion durch die Moderatoren

 

Der erste dieser Veranstaltungsblöcke war ein Interview mit dem aus Dresden stammenden Zeitzeugen Peter Keup. Man hatte ihm in der DDR verboten, Abitur zu machen und zu studieren. Nicht zuletzt aus diesen Gründen wollte er der DDR den Rücken kehren und plante, in den Westen zu fliehen, indem dafür trainierte, indem er durch die Donau schwimmen wollte. Bevor es dazu kam, wurde er wegen der "Vorbereitung einer Landesflucht" verhaftet und gefoltert. Schließlich wurde er glücklicherweise von der BRD freigekauft und erlebte in Essen durchaus eine Willkommenskultur, wie sie die meisten Menschen in Deutschland wohl derzeit auch den Flüchtlingen bieten wollen.

 

Das Interview war aber nicht allein interessant wegen der spektakulären Geschichte von Flucht, Verhaftung und Folter, sondern vor allem wegen der vielfältige Beschränkung der persönlichen Freiheit durch staatliche Organe. Genau darauf zuielt das ganze Projekt "GG19" ab, den Wert der Menschenrechte ins Bewusstsein zu rufen und durch Aufklärung dafür zu sorgen, dass sich solche Unrechtssysteme nicht wieder etablieren können.


Interview und Diskussion mit dem DDR-Zeitzeugen Peter Keup.

 


Der letzte Veranstaltungsblock war eine Podiumsdiskussion mit wiederum Peter Keup, ergänzt aber um zwei Vertreter der Medien, Hanning Voigts vom Printmedium "Frankfurter Rundschau" und Peter Gerhardt vom audiovisuellen Sender "Hessischer Rundfunk", sowie vom Bundestagsabgeordneten Omid Nouripour als einen Vertreter der Politik, der selbst einen Migrationshintergrund besitzt und aus dieser Perspektive noch authentischer über die Rolle der Menschenrechte, über Asyl und Flucht und repressive Systeme berichten kann.


Ausgehend von einem Filmbeitrag über eine kopftuchtragende Lehrerin diskutierten die Schüler mit den Gästen lebhaft über religiöse Freiheit und Selbstbestimmung, über Toleranz, über die Darstellung des Islam und insbesondere des Islamismus in den Medien und vor allem über die Rolle der Medien für Politik und Meinungsbildung.


Die Diskutanten Peter Keup, Hanning Voigts, Omid Nouripour, Peter Gerhardt.

 

Im Kontext dieses letzten Themenkomplexes wurde auf regelrecht philosophische Weise diskutiert, wie es um das Verhältnis von journalistischer Berichterstattung und Wahrheit steht.


Peter Gerhardt konstatierte: "DIE Wahrheit gibt es nicht. Das muss man akzeptieren."


Hanning Voigts präzisierte: "Ja, die ABSOLUTE Wahrheit gibt es nicht, aber FAKTEN gibt es." Und auf die müsse man sich beziehen und die solle man berichten.


Beide waren sich darin einig, dass jeder (auch jeder Reporter) seine eigene Wahrheit habe und diese weitergebe, und auf der Grundlage des Abgleichs verschiedener Presseberichte mit ihren subjektiven Ansichten könne und müsse man sich dann seine eigene Meinung bilden.


Omid Nouripour stimmte beiden im Prinzip zu, plädierte aber für eine Realität des Ideals bzw. eine Realisierbarkeit des Idealen: "Es gibt Dinge, die real genug, wahrhaftig genug, einfach wahr genug sind, dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen." Dazu gehöre, dass es richtig und gut sei, wenn Menschen ihre Meinung sagen dürfen, und dass nicht jeder Mensch überall auf der Welt diese Möglichkeit habe. Dafür, dass das immer mehr Menschen möglich sei, müsse man sich starkmachen.



Ein schönes Schlusswort für die Debatte und Medien und Wahrheit und die Freiheit des Denkens als Chance und Pflicht hörte man zuletzt aus Schülermund: "Medien sind eine Denkhilfe und kein Wegweiser."


Podiumsdiskussion zu Asyl, Flüchtlingen, Willkommenskultur, Integration, Terrorismus, Medien und Journalismus - nicht ganz ohne Barrieren (hier versinnbildlicht durch die Säule), aber doch im freien Meinungsaustausch unter Ausnutzung des entsprechenden Grundrechtes auf beiden Seiten...


Abgeschlossen werden konnte die Diskussion nicht, aber darum ging es auch nicht. Es ging darum, das Nachdenken über den Wert der Menschenrechte und die Diskussion um deren Gefährdungen anzustoßen - und das ist vollauf gelungen.

Zwei Motti, die diese Veranstaltung direkt oder indirekt begleiteten, erwiesen sich dabei auch nach anderthalb bis über zwei Jahrhunderten als zeitlos und immer noch hochaktuell:
Heinrich Heines ironischer Bonmot wurde während langer Phasen der Veranstaltung an die Wand projiziert: "Die Freiheit der Meinung setzt voraus, dass man überhaupt eine hat."
Und implizit schallte einem während der Diskussion immer wieder Kants Credo der Aufklärung durch den Hinterkopf: "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen".

In diesem Sinne würde Friedrich Schiller seine Idealfigur des Marquis Posa aus "Don Carlos" uns an dieser Stelle vielleicht zum Abschluss entgegenrufen lassen: "Nutzen Sie Gedankenfreiheit!"


So. Jetzt seid Ihr / sind Sie an der Reihe...

 





(Blu)