Australien - immer wieder!

 

 

 

Die große Frage „Was soll ich nach dem Abitur machen?“, stellt sich, glaube ich, jeder. Manche früher, manche später.
Ich war recht spät mit meiner endgültigen Entscheidung, nach Australien zu gehen.

 

 

Es dämmert langsam... - Australien!

 

 

2013 habe ich mein Abitur gemacht und erst im Februar 2014 ging meine Reise los.
Ob dies das Richtige ist, ans andere Ende der Welt zu reisen, alleine ohne Freunde und Familie, ohne eine Ahnung, was mich da erwarten würde – ich hatte keine Ahnung. Und als die Familie nach der Sicherheitskontrolle am Flughafen immer kleiner wurde, wurden meine Zweifel immer größer.
Ich weiß nicht, warum ich nicht umgekehrt bin. Ob ich die Chance gesehen habe oder ob es um den schon bezahlten Flug ging…
Zwanzig Stunden Flug, 5 Stunden Aufenthalt in Kuala Lumpur Flughafen, später bin ich endlich in Melbourne angekommen.

Ich bin mit der Agentur „Travelworks“ unterwegs gewesen, somit lernte ich am Flughafen noch andere Mitglieder der Agentur kennen, was nach fast 30 Stunden Alleinsein mit den eigenen Gedanken eine willkommene Abwechslung war.
Trotzdem habe ich mich noch nie so alleine gefühlt. 
Die ersten fünf Tage bin ich mit den anderen Mitgliedern im „YHA-Hostel“ in Melbourne untergekommen. Die Gruppe ist schnell kleiner geworden und nach fünf Tagen waren von 12 Mitgliedern nur noch sieben zusammen.
Einen ganzen Monat habe ich schließlich in Melbourne verbracht.
Melbourne kam mir, selbst als Stadtkind, riesengroß vor. Aber nach 2 Wochen kannte ich mich ein wenig aus und umso länger ich die Stadt erkundete umso mehr Charme bekam sie. Denn nach diesen zwei Wochen fing ich an, die interessanten Ecken von Melbourne zu entdecken. Vor allem die versteckten, engen Gassen, wo Café an Café stand und aus den aneinander gereihten, kleinen Lädchen die verschiedensten Gerüche, von Kaffee bis Gewürze, aufeinander trafen, wo man durch alte knarrende Treppenhäuser versteckte Dachterrassen fand, imponierten mir. Schnell konnte ich mich mit der Stadt identifizieren und so kam es dazu, dass mir die Stadt sympathisch wurde und ich jeden Tag neue Leute kennen lernte.
Auch wenn die ersten Tage sehr schwer waren, hatte ich schnell Anschluss gefunden. Dazu muss man erwähnen, dass ich den Eindruck habe, dass die Leute dort sehr viel leichter kennen zu lernen sind als die Leute hier. Woran das genau liegt habe ich bis jetzt nicht herausgefunden. Ob es die Offenheit ist, ein Stück mehr Vertrauen in die Gesellschaft oder keinen Grund zu haben jemanden direkt zu misstrauen den man nicht kennt, ich weiß es nicht.
Aber genau durch dieses Zusammenspiel von einer unglaublich schönen, verträumten Stadt und den vielen neuen netten Leuten, die einen direkt in die Gesellschaft aufnehmen, egal woher du kommst und wer du bist, hat mich mein Heimweh und meine Sorgen vergessen lassen.
Aber da Luft und Liebe mein Leben nicht bezahlen und ich keine Arbeit in Melbourne finden konnte, beschloss ich, weiter zu ziehen.
Sieben Leute, zwei Autos und eine Woche Zeit um von Melbourne nach Adelaide zu kommen, waren die perfekten Voraussetzungen für meinen ersten „Road Trip“.
Wir fuhren die „Great Ocean Road“ entlang. Diese Strecke bot einige tolle Sehenswürdigkeiten und atemberaubende Naturphänomene.
Das Reisen mit sieben mehr oder weniger Fremden war teilweise eine Herausforderung. Wir kannten uns erst wenige Wochen, daher war das vierundzwanzig stündige Aufeinandersitzen ab und zu problematisch und anstrengend. Trotz mancher persönlicher Differenzen war die Woche eine meiner schönsten in Australien. Von der ersten Erfahrung mit einer Schlange über jeden Tag Nudeln zum Abendessen, über die erste Sichtung eines Kängurus bis hin zur ersten Auseinandersetzung mit einem Plumpsklo, kurz gesagt, es war der absolute Hammer!

 

 

Was wäre Australien ohne seine Kängurus...

 

 

In Adelaide trennte ich mich von der Gruppe und machte mich auf eigene Faust auf die Suche nach einer Unterkunft und Arbeit.
Schnell stellte sich heraus, dass im Süden keine Saison war und es nur begrenzt Arbeit für Backpacker gab. Nach einer knappen Woche gab ich es auf. Zwar hatte ich auch in dieser Stadt neue, sehr nette Leute kennen gelernt und die Stadt war mir schnell sympathisch geworden, aber Arbeit war weit und breit nicht zu finden , also entschied ich mich spontan von Adelaide zurück nach Melbourne zu reisen. Von dort hatte ich eine Nachricht bekommen, von jemandem den ich dort kennen gelernt hatte, dass er eine Arbeit für mich gefunden hätte. Einen weiteren ganzen Monat verbrachte ich in Melbourne und arbeitete bei einer Catering- Firma. Ich arbeitete vor allem in den großen Football- und Rugby-Stadien von Melbourne bis nach Geelong.
Die Bezahlung war gut und die Arbeit machte mir Spaß, vor allem war ich froh endlich eine Arbeit gefunden zu haben. Denn eine Arbeit in den Großstädten zu finden ist nie einfach, da lautet das Motto „durchhalten und weitersuchen“.
Schnell hatte mich Melbourne wieder verschlungen. Dieser Monat verging wie im Flug und ehe ich mich versah, saß ich im Bus nach Canberra.
Dort verbrachte ich einige Tage und erforschte die Hauptstadt Australiens.
Canberra ist eine sehr ruhige Stadt und die einzige, die mir einen ausführlichen und interessant gestalteten Einblick in die Geschichte und Politik bot.
Vier Tage voll von australischer Kultur, Historie, Politik und Kunst.
Früher ein Kulturbanause, war ich nun mehr interessiert denn je.
Von Canberra aus hatte ich einen „Rideshare“ nach Sydney gefunden. 
Wir sind über die „snowy mountains“, wo wir schnell mal den höchsten Berg Australiens bestiegen, ich die  kälteste Nacht meines Lebens in einem Auto schlafen musste, über Bega, wo wir eine der größten Käseproduktionshallen besichtig haben, bis nach Sydney zusammen gefahren.
In Sydney verabschiedeten wir uns und ich traf eine Freundin aus Melbourne wieder.
Fünf Tage erforschten wir Sydney zusammen: Opera House, Harbour Bridge, Royal Botanic Gardens, Bondi Beach und vieles mehr war dabei. Das Wetter war kühl, bewölkt und regnerisch, somit beschlossen wir recht zügig diesem Wetter zu entkommen und nach Cairns in den Norden zu fliehen, um endlich australische Sonne zu tanken. Mein Fazit, welches ich letztendlich über Sydney zog, fiel doch recht bescheiden aus, was dadurch der Fall war, dass ich doch sehr hohe Erwartung an die Stadt hatte.
Sydney ist definitiv sehenswert, mir jedoch zu touristisch und für mich befanden sich zu viele Menschen auf einem Stück Erde.
Dazu sollte ich erwähnen, dass man in Australien sagt, dass man nur eine Stadt lieben kann: Melbourne oder Sydney.

Der Flug wurde gebucht und am nächsten Tag saßen wir im Flugzeug. In Cairns verbrachten wir zwei sehr schöne Wochen. Wir buchten uns ein Zimmer, in einem etwas aus der Stadt weg liegenden kleinen Hostel. Wir lernen schnell die Leute aus dem Hostel kennen und letztlich kam es dazu, dass wir schon nach kurzer Zeit eine Gruppe von zwölf Leuten waren, die die Stadt unsicher machten. Während unseren Aktivitäten wie Tauchen, Segeln und Feiern gehen, konnten wir uns eine Arbeit auf einer Farm organisieren.
Zunächst fingen wir dort als sogenannte „woofer“ an, das heißt, man arbeitet täglich eine gewisse Stundenzahl und bekommt dafür eine freie Unterkunft und Lebensmittel, später wurde sich drauf geeinigt, wie viel wöchentlich gezahlt werden würde.

Wir wurden an einem Sonntag früh um acht Uhr von dem Farmer und seinem Sohn abgeholt. Der Abschied von den Leuten war sehr schwer, trotzdem waren meine Freundin und ich sehr gespannt, was auf uns zukommen würde.
Der Weg von der Stadt zur Farm betrug ganze sechs Stunden, was anscheinend für ihn und seinen Sohn keine Distanz war, eher wirkte er verwirrt über meine Aussage, dass dies ein langer Weg sei.
Auf der Farm angekommen, blieb uns der Mund offen stehen. Wir waren mitten im Nirgendwo angekommen: Kein Haus, keine Nachbarn, keine Fluchtmöglichkeit. Ich versuchte ruhig zu bleiben um mir erst einmal einen Überblick verschaffen zu können.
Es stellte sich heraus, dass die Konstruktion von vier Säulen und einem Blechdach das Haus darstellen sollte. 3 Feldbetten, ein alter Grill und ein von Maden zerfressener Tisch und Stühle waren die Einrichtung.
Daneben fand ich eine weitere interessante Konstruktion aus Blech und Holz, das war das Badezimmer. Neben dem „Badezimmer“, entdeckte ich einen Kanister, unter dem ein Feuer brannte. Schnell wurde mir klar, dass dies das Warmwassersystem war. Ein Blick nach oben reichte, um auch zu verstehen woher das Wasser überhaupt kam. Auf dem Badezimmerdach stand ein von mir geschätzter 800 Liter Tank. Woher das Wasser kam blieb zunächst ein Rätsel. Ich lief zurück wo das Auto stand und fand nur eine sehr verwirrte Freundin vor, sitzend auf dem Boden. Der Farmer und sein Sohn waren auf dem Weg irgendwelche Zäune zu kontrollieren. Dies verschaffte uns Zeit etwas genauer umzuschauen und zu entscheiden, wie wir weiter vorgehen würden.
Zunächst wussten wir nicht ob wir lachen oder weinen sollten, jedoch fassten wir uns schnell wieder, da der Jeep mit Farmer und Sohn nahte. Da Weglaufen hier sinnlos war, beschlossen wir zu warten, bis wir in das nächste Dorf kommen würden, wir würden uns herzlichst bedanken, unsere Rucksäcke nehmen und auf Wiedersehen sagen.
Als der Farmer anfing über irgendwelche kaputten Zäune zu reden, unterbrach ich und fragte nach Strom und Empfang für das Mobiltelefon.  Die Antwort hätte ich mir denken können. Beide fingen an zu lachen, drehten sich um, gaben uns zu verstehen wieder ins Auto zu steigen und hielten jegliche weitere Antwort für unnötig.

Wieder im Auto, eröffnete uns der Farmer, dass wir noch weitere zwei Stunden fahren mussten, um zum Haus zu gelangen, wo sie eigentlich wohnen würden.  Hatte ich nicht richtig zugehört? Wohin fuhren wir nun?
Ich fing an, innerlich durchzudrehen. Da waren wir nun, in einem fremden Auto mit fremden Männern, mitten im nirgendwo. Wie dumm war ich? Was hatte mich bewegt, wirklich in dieses Auto einzusteigen?
Während der Farmer erzählte, er und seine Frau würden in einer „Aboriginal Community“ leben und seine Frau würde einen kleinen Shop betreiben, beruhigte ich mich ein wenig, dennoch traute ich diesen Leuten noch lange nicht.
Es fing an dunkel zu werden. Und wie es der Zufall wollte, anscheinend war das „Horrorfilm-Feeling“ noch nicht schlimm genug, fing es an zu regnen. Und es kam noch besser. Wir bogen nach einer Stunde Fahrt ohne ein einziges Haus oder einen einzigen Menschen gesehen zu haben in eine Straße ein, die, wie es schien, durch den Regen drohte weg zu schwimmen. Ich gab es auf, irgendetwas draußen erkennen zu können. Wir konnten vor lauter Regen und Matsch nichts sehen.
Das Einzige worüber ich nachdachte war, ob man je meine Leiche finden würde.
Nach einer weiteren Stunde blieb der Wagen stehen. Jemand öffnete ein massives Metalltor, durch das wir durchfuhren. 
Wir waren wohl in unserem neuen zu Hause angekommen…
Dort ausgestiegen, fiel die Anspannung mit einem mal ab, als sich seine Frau, Tochter und eine französische Backpackerin vorstellten.
Er war wohl doch kein Serienkiller der mich irgendwo im Dschungel vergraben würde.
Gott sei Dank!
Auch meiner Freundin schien es wieder etwas besser zu gehen, da ihre Gesichtsfarbe wieder etwas mehr an Farbe gewann.
Wir bekamen unser eigenes kleines Zimmer für den  Monat, den wir dort verbrachten. Es stellte sich heraus, dass das Leben auf der Farm gar nicht mal so übel war. Ich verbrachte nämlich die meiste Zeit auf der Farm und kam nur für 2 Nächte die Woche nach Hause in die Community.
Ich lerne Zäune zu bauen und zu reparieren, Obst und Gemüse zu sähen, pflegen und zu ernten, Kühe zu treiben, brandmarken, kastrieren, enthornen und vieles mehr.
Zwar war es ein harter Monat, aber noch nie fühlte ich mich so lebendig und frei als mitten im Nirgendwo zwischen hunderten von Rindern.

 

 

So ein Farmleben ist SAU-anstrengend!

 

Der Monat ging schnell vorüber und der Abschied, was ich mir nie anfänglich vorstellen konnte, fiel schwer.

Zurück in Cairns mieteten meine Freundin und ich einen Camper Van um von Carins bis nach Byron Bay runter zu reisen.
Auf dem Trip habe ich die Historie vermisst, jedoch war die Natur traumhaft. Die Stände, die Wasserlöcher umrandet von Urwald und kleine verträumte Dörfer hier und da, die kulturelle Einblicke zuließen.
Vier Wochen waren wir unterwegs!
Ich rate jedem eine Tour mit dem eigenen Auto bzw. einem gemieteten Auto zu machen. Durch diese Unabhängigkeit hab ich gelernt, was es heißt, frei zu sein. Ich hatte keine Verpflichtungen, keiner beurteilte mich und keiner stellte ständig die Frage, was ich in meinem Leben mal machen möchte. Ich genoss jeden Moment!

In Brisbane angekommen, ging es auf nach Fiji für zwei Wochen. Wir haben das sogenannte „Island-hopping“ gebucht. 

 

 

Wenn das keine guten Aussichten sind...!

 

Wir sind auf der Hauptinsel gelandet und weiter nach Nadi mit dem Bus. Vom Hafen aus fuhr täglich morgens und abends eine Fähre, die an allen Insel anhielt. Dort wurde man, wollte man diese Insel besuchen von einem kleinen Fischerboot abgeholt, was einen bis zur Insel brachte.
Wir haben uns den „Bula-Pass“ gekauft, der es uns ermöglichte elf Tage mit Hilfe der Fähre von Insel zu Insel zu „hüpfen“.  Die Länge des Aufenthaltes auf einer Insel war beliebig.
Wir starteten im Süden und beendeten unsere Reise im Norden. Umso weiter es in den Norden ging, umso blauer wurde das Wasser des Meeres und umso weißer wurde der Sand des Strandes. Neben diesen traumhaft schönen Naturphänomenen hatte ich tolle Möglichkeiten, ein wenig Tradition kennen zu lernen.
Auf der ersten Insel bekam ich beigebracht, dass man ein Village niemals ohne Einladung betreten durfte.
Man muss sich das ganze so vorstellen: Auf einer Insel gibt es ein Resort, dort leben die Touristen der Insel, auf dem Rest der Inseln sind Villages verteilt, manchmal nur vereinzelt, manchmal gab es bis zu 12 Viallges auf einer Insel, abhängig war dies selbstverständlich von der Größe der Insel und den von der Natur gebotenen Rohstoffen. Die Touristen verließen die Region um das Resort nicht ohne Führer. Zum einen war dies eine Regel zum anderen konnte man sich schnell auf einer Insel verlaufen, selbst wenn sie noch so klein war, und ganz aus Versehen in ein Village zu marschieren ist definitiv keine gute Idee.
Ich dachte es besser wissen zu müssen und beschloss mich mal außerhalb der „Touristen-Region“ umzuschauen. Ich hatte so viel über die Traditionen und Bräuche der Einheimischen gelesen, dass mir das Bräunen am Strand schnell langweilig wurde.
Weit kam ich jedoch nicht.
Ein Einheimischer fing mich nach gerade mal geschätzten 10 Minuten ab und stellte mich zur Rede. Ich hatte Glück, dass er mir die Möglichkeit gab, mich zu erklären. Nach vielen Entschuldigungen und versuchten Erklärungen gab ich es auf und wollte umdrehen. Ich weiß nicht aus welchem Grund, aber er bot mir an, mich in sein Village mitzunehmen.
Doch dies war gar nicht so leicht und im Prinzip lag es noch nicht einmal in seinen Händen. Er lud mich zwar ein, was der erste Schritt war, jedoch musste er nun zum Stammesältesten bzw. Häuptling gehen um nach der Erlaubnis zu fragen ob ich als weiße Fremde das Village betreten durfte. Der Einheimische holte mich am nächsten Tag vormittags ab, während alle anderen beim Mittagessen saßen.
Meine Nervosität stieg mit jedem Schritt.
Angekommen, musste ich mich dem Häuptling zeigen.
Regel Nummer eins: Schaue dem Häuptling nie in die Augen.
Regel Nummer zwei: Wenn der Häuptling steht, musst du sitzen, wenn er sitzt, musst du liegen.
Regel Nummer 3: Rede nie, wenn du nicht gefragt wirst.
Als der Einheimische mir die Regeln erklärte, war ich mir gar nicht mehr sicher, ob dies eine gute Entscheidung gewesen war. Da ich aber vor dem Zelt stand, blieb mir nichts anderes übrig, als darauf zu warten, hereingelassen zu werden.
Ich verstand kein Wort und machte keinen Laut. Es wurde mir erlaubt, zwei Stunden im Village zu bleiben, danach musste ich dieses sofort verlassen. Ich fühlte mich die meiste Zeit wie ein Tier im Zoo, ich wurde von allen Seiten beäugt. Ich sah oftmals Furcht und Abscheu in den Gesichtern, nur die jungen Einheimischen zeigten Interesse und wagten sich, mit mir einzelne Worte zu wechseln. Meine „Beaufsichtigung“ entschuldigte sich für das Verhalten, erklärte dazu, dass viele der alten Generation die Vergangenheit nicht ruhen lassen können. Weitere Informationen gab er mir nicht und nachhaken stand mir als weiße Frau nicht zu.
Wir besuchten seine Familie. Als ich hinter ihm in die Hütte einsteigen wollte hielt er mich zurück, er erklärte mir, dass mich nur der Hausälteste hereinbeten durfte und machte mich auf eine weiße Linie aufmerksam, die vor dem Haus gezogen worden war.
Eine weiße Linie bedeutet, dass man dieses Haus nicht betreten darf, bis man herein gebeten wird; ansonsten wird man bestraft.
Ich lernte einiges über Tradition und Kultur.
Die letzten 10 Minuten, die mir übrig blieben, verbrachte ich mit den Kids des Hauses. In diesen wenigen Minuten wurde mir das erste Mal klar was es bedeutet, wenn man jemandem Löcher in den Bauch fragt.
Und so war jede Insel anders und ich lerne auf jeder Insel etwas Neues.

Nach 14 Tagen ging es wieder zurück nach Brisbane. Es war Zeit, meiner Freundin auf Wiedersehen zu sagen, da sie wieder nach Deutschland zurück flog.

Ich beschloss, zurück auf die Farm zu gehen, um mein 2nd Year Visa zu beenden. Um legal ein zweites Visum beantragen zu können, muss man 88 Tage auf einer Farm arbeiten und ich hatte gerade mal die Hälfte dieser Zeit gemeistert.
Auf der Farm angekommen, war es schnell wieder der Alltag.
Nach drei Wochen hatte sich in der Region rumgesprochen, dass ich recht vertraut mit der Arbeit mit den Rindern war und so kam es dazu, dass verschiedene „Cattle-Stations“ auf mich zukamen und mir Arbeit anboten.
Somit habe ich meine letzten vier Monate in Australien auf verschiedenen „Cattle-Stations“ verbracht.

 

 

Eine Menge Rindviecher...


Da ich nur im Busch arbeitete, waren wir teilweise auf Dörfer von Aboriginals angewiesen, die uns mit Lebensmittel und Wasser versorgten. Ich lernte schnell, dass es nicht leicht war, mit Ihnen auszukommen bzw. akzeptiert zu werden. Das Abschlachten der Schwarzen durch die Weißen war hier noch lang nicht vergessen und saß tief! Mir wurde nicht vertraut, mit mir wurde anfänglich nicht geredet, ich wurde noch nicht einmal angeschaut, die Kinder wurden von mir weg gezogen. Ich fühlte mich schrecklich. Nach ein paar Wochen hatten sich dann doch einige an mich gewöhnt, weil ich immer wieder auftauchte. Doch wie auf Fiji waren es meist junge Leute und die Kids die Interesse an Kontakt und meiner Kultur zeigten. 
Nicht nur die Arbeit mit dem Rind war ein Abenteuer und machte mir Spaß, auch das abendliche Zusammensitzen mit den Kids machte mich glücklich. Mit großen Augen lauschten sie mir, wenn ich Geschichten von meinem Heimatland erzählte, und ich war immer ganz gespannt, was die Kids mir als nächstes beibrachten.

 

 

Neue Freunde und neue Aufgaben und ganz viel (Selbst-) Verantwortung...


Ich lernte das traditionelle australische Leben kennen.
Ich habe Dinge gesehen und erlebt, die mein Leben verändert haben und die mich zum Staunen gebracht haben. Ich habe Traditionen und Kultur kennen gelernt, von der ich dachte, sie würde gar nicht mehr existieren.
Ich bin über mich selbst hinaus gewachsen, habe mich selbst kennen gelernt und weiß nun, was das Wort Freiheit bedeutet.


 

Sophia Döbert