Erst nach Vietnam und dann nach Bamberg:

 

Zwei Reisen ans Ende der Welt

 

 

Es ist nun schon über ein Jahr her, dass ich mein Abitur an der Leibnizschule Offenbach geschrieben habe und ich schaue gerne auf meine Schulzeit –insbesondere auf die letzten drei Jahre der Oberstufe - zurück. Ich bin froh mich damals für die Leibnizschule entschieden haben, weil ich mich in dem toleranten und weltoffenen Umfeld stets sehr wohl gefühlt habe und viel für mein späteres Leben lernen konnte. 


Mit meinem Abitur in der Tasche war ich mit Kolping einen Monat lang in Vietnam, wo ich an einem Workcamp teilnahm. In einer Gruppe mit deutschen und vietnamesischen Freiwilligen arbeitete ich in einem vietnamesischen Kindergarten und einer Grundschule. Dort versuchten wir den Kindern mit Liedern wie „Head, Shoulders, Knees and Toes“einige Englischvokabeln beizubringen, aber zuweilen stand auch körperliche Arbeit wie Müllsammeln bei tropischen Temperaturen und Bäumepflanzen auf unserem Tagesplan.


Es war eine prägende Erfahrung unter ortsüblichen Bedingungen in einem vietnamesischen Dorf zu leben: auf einem Markt exotische Früche zu kaufen, im strömenden monsunartigen Regen Fahrrad zu fahren, meine Wäsche mit bloßen Händen zu waschen und selbst unangenehme Begegnungen mit tellergroßen Spinnen im Badezimmer machten meine Zeit in Vietnam unvergesslich. Nachdem wir drei Wochen in dem Dorf verbracht hatten, nutzten wir die letzte Woche als Erkundungstour zu den touristischen Höhepunkten des Landes. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir wie wir mit dem Nachtzug in die Berge fuhren, (gefühlte) tausend Stufen zu einem Pavillion erklommen und durch einen vietnamesischen Nebelwald wanderten.  Ich kann jedem nur empfehlen nach dem Abitur eine Auszeit einzulegen und eine entlegene Region dieser Erde für sich zu entdecken.

 

 

Nach meiner Vietnamreise begann ich mein Psychologiestudium in Bamberg, einer wunderschönen kleinen Stadt im äußersten Süden Deutschlands. Meine anfänglichen Befürchtungen Bamberg könnte zu provinziell und konservativ sein, stellten sich schnell als überflüssig und übertrieben heraus. Ganz im Gegenteil: Selten bin ich so vielen weltoffenen und vielseitig interessierten Menschen begegnet wie in Bamberg. Ich habe mich hier sehr gut eingelebt und möchte um keinen Preis der Welt mehr weg. Es gefällt mir in einer überschaubaren Stadt zu leben, denn das Studieren ist hier weniger unpersönlich und trotzdem ist in Bamberg immer etwas los. Ich erlebe es als eine lohnenswerte Erfahrung eine mir unbekannte Region Deutschlands zu entdecken und kann jedem nur raten die ausgetretenen Pfade zu verlassen und sich in die „Fremde“ zu wagen.



Swetlana Fork