Von Respekt, Physik und einer verrückten WG

 

Rückblick auf die Leibnizschule und das, was danach kam

 

 

Erst mal ein paar Worte zu mir:
Mein Name ist Raffaela Milner, ich bin 19 Jahre alt und habe im Juni 2011 mein Abitur an der Martin-Luther-Schule in Rimbach im Odenwald gemacht.
Allerdings habe ich von der 5. bis zur 12. Klasse die Leibnizschule besucht und dort eine bereichernde Schulzeit gehabt.
Jetzt studiere ich im 3. Semester Physik in Heidelberg.

Das erste, was ich nach meinem Schulwechsel an der Leibnizschule zu schätzen gelernt habe, ist das Lehrer-Schüler-Verhältnis.
Ich habe gelernt, dass es nicht selbstverständlich ist, dass Lehrer ein offenes Ohr für die Schüler haben, ganz egal ob es sich um schulische oder außerschulische Probleme handelt.
Des Weiteren habe ich gelernt, dass es zwei Arten gibt, seinen Unterricht zu halten:
Man spricht mit den Schülern von oben herab oder man spricht auf gleicher Ebene mit ihnen.
Was ich damit meine ist, dass es nicht selbstverständlich ist, mit wieviel Respekt und Vertrauen die meisten Lehrer der Leibnizschule mit den Schülern umgehen - vor allem, wie sehr sie die Meinung und Kritik von den Schülern ernst nehmen, sei sie positiv oder negativ.
So verwöhnt kam ich an meine neue Schule, wo ich mir anhören konnte, dass ich vorlaut und anmaßend sei, wenn ich die persönliche Meinung des Lehrers in einer Diskussion kritisierte.
Ich erinnere mich so gerne an die lebhaften und ehrlichen Diskussionen an der Leibnizschule zurück.
Gut, das war es mit dem „Heimweh“, kommen wir zu dem, was die Leute lesen wollen.

Nach dem Abitur bin ich einen Monat in Israel auf einer naturwissenschaftlichen Sommerschule am Weizmanninstitut in Rehovot gewesen. Dort haben sich 70 Studenten aus 16 verschiedenen Ländern getroffen, um zusammen zu forschen und zu reisen.
Unter der Woche haben wir in Zweiergruppen mit einem PhD-Student (das ist jemand, der gerade an seiner Doktorarbeit schreibt) zusammen geforscht, und am Wochenende sind wir als Gruppe durch Israel gereist. In der letzten Woche haben wir eine Wüstenwanderung gemacht.

 

Das war wirklich einer der tollsten Monate meines bisherigen Lebens, denn ich habe so viele wunderbare Menschen aus aller Welt getroffen. Jetzt habe ich Freunde in Brasilien, Mexico, Kasachstan und den vereinigten Staaten.

 

 

 

Danach habe ich mir eine WG in Heidelberg gesucht und die verrückteste Chaos-WG überhaupt gefunden.
Wir sind sieben Leute: ein Geschichtsdoktorand, eine Biologiedoktorandin, ein Handwerker, der jetzt Psychologie studiert, ein Sonderschulpädagoge, der sich auf Blinde spezialisiert hat, eine Lehramtsstudentin, eine Professorin und ich.
Was besseres hätte mir nicht passieren können, denn so habe ich immer lauter interessante Menschen um mich herum, die mich von meinem anstrengenden Physikstudium ablenken können, damit ich nicht nur noch am Studieren bin.

Das Physikstudium an sich ist sehr anstrengend und sehr zeitaufwendig, aber wenn Physik einen wirklich interessiert, lohnt sich der Aufwand. In Heidelberg hat man als Physiker im ersten Semester zunächst einen mathematischen Vorkurs. Wenn das Semester dann so richtig losgeht, hört man standardmäßig drei Vorlesungen: theoretische Physik, experimentelle Physik und Lineare Algebra. Diejenigen, die nicht im 2. Semester die Vorlesung Mathematik für Physiker hören wollen, sollten im ersten Semester noch zusätzlich Analysis 1 hören. Das habe ich z. B. gemacht und es war eine gute Entscheideung.
Zu allen Vorlesungen gibt es Übungszettel, die regelmäßig abgegeben werden müssen. Diese werden in den Übungsgruppen besprochen.

Ich finde, Heidelberg ist ein guter Ort, um Physik zu studieren, weil die Betreuung recht gut ist und es viele interessante Veranstaltungen gibt.
Außerdem ist Heidelberg eine sehr schöne Stadt mit vielfältigem kulturellen Angebot. Wenn man in Heidelberg studieren möchte, sollte man recht früh mit der Wohnungssuche beginnen, da es sehr schwer ist, eine Wohnung zu finden.
Auf eine Sache sollte man sich noch gefasst machen: Studieren ist nicht wie in die Schule gehen! Es gibt keine Anwesenheitspflicht und auch keine verpflichtenden Hausaufgaben, daher muss man sich seinen Lernrhythmus selbst vorgeben und das ist manchmal gar nicht so einfach, wenn man immer auf dem neusten Stand bleiben will. Aber irgendwann hat man das auch herausbekommen.
Auch die Klausuren sind anders. Wenn man viel gelernt hat, heißt das noch lange nicht, dass man auch eine gute Note bekommt, zumindest in Physik. Es gehört auch ein bisschen Kreativität dazu.
Also falls ihr in der Schule sehr gut seid und im ersten Semester auch mal ein paar schlechte Ergebnisse erzielt oder vielleicht sogar mal in einer Klausur durchfallt, gebt das Fach nicht gleich auf, denn der Fall ins kalte Wasser ist ganz normal. Auch daran gewöhnt man sich und dann geht’s auch mit den Noten wieder bergauf.

Vielen Dank liebe Leibnizschule, dass aus dem kleinen frechen Mädchen, das ich mal war, nun hoffentlich doch noch etwas wird.
Insbesondere Herrn Reuter und Frau Sahm möchte ich danken. Danke dafür dass Sie so viel Vertrauen in mich hatten, sodass ich mein Schülerstudium einfach machen konnte.
Das Schülerstudium war wirklich eine tolle Zeit und es hat für mich Freiheit und Selbstbestimmung bedeutet.

 

 

Raffaela Milner