Abi und was dann? Oder auch „Schule ade, Uni ohweh“

Das war für mich eigentlich gar keine Frage. Noch vor meinem Abiball und vor der Übergabe meines Abiturzeugnisses saß ich im Flieger nach Kanada, wo ich von da an leben wollte. Mein Abitur habe ich mit 1,3 bestanden, doch alle Möglichkeiten, die sich mir in Deutschland geboten haben wie z.B. die Chance auf ein duales Studium kamen für mich nicht in Frage, denn ich hatte mich völlig in Land, Leute und meinen Freund verliebt, sodass ich zu Kanada keine Alternative sah.
Wenn man sich die wunderschönen Bilder wie z.B. der Niagarafälle,

Blick von schräg oben auf die Niagarafälle...

Murmeltiere, die einem im Garten die Blumen abkauen,

Murmeltier (Groundhog)...

oder auch nur das Eichhörnchen, das so zutraulich ist, dass es sich sogar füttern lässt,

Ein Squirrel...

ansieht, kann man das vielleicht ein wenig nachvollziehen. Selbst die Türen wurden meistens nicht einmal abgeschlossen und aufgebrochene Fahrradschlösser oder hässliche Graffitis an Mauern, Zäunen oder sogar Hauswänden kamen mir weder zu Gesicht noch zu Gehör. Der Winter in Kanada ist zwar bitterkalt und Wände aus Eis und Schnee türmen sich neben den Straßen auf,

Schnee und Eis...

doch dafür ist der Sommer umso schöner…

5 Monate nach meiner Ankunft begann ich allerdings die Schule und das Lernen fürchterlich zu vermissen. Ich habe Praktika in einem Café sowie einem Restaurant absolviert und konnte mit Gewissheit sagen, eine Karriere in diesem Bereich ist für mich ausgeschlossen ;) Mir hat die Schule so viel Freude bereitet. Das Austauschen, Interpretieren und Philosophieren über Bücher, Politik, Religion oder Geschichte haben total Spaß gemacht. Durch die Interaktion mit Lehrer und Klasse war man schon größtenteils auf die Klausuren vorbereitet, sodass man außerschulisch unheimlich viel Freizeit genießen konnte. Insbesondere Herr Kunitschs Unterricht in unserem Politik- und Wirtschaft Leistungskurs hat uns dazu befähigt, auch bei komplizierten aktuellen politischen Themen nicht den Überblick zu verlieren. Aber auch die Ausflüge in Theater, Museum oder Kurstreffen in Restaurants mit Lehrern wie z.B. Herr Kunitsch, Frau Schöne oder Herr Blume waren sehr schön. Die Schule hat einem ein bisschen das Gefühl gegeben, zuhause zu sein. Die meisten Lehrer waren nicht nur Lehrer sondern Mentoren, Begleiter, die immer ein offenes Ohr hatten und einem mit Rat und Tat zur Seite standen… oder es zumindest versuchten :-)

 

Die meisten Lehrer haben versucht, den Gruppenzusammenhalt der Schüler zu fördern und sie arbeiteten meistens mit den Schülern und nicht gegen sie, auch wenn das manchmal etwas schwierig ist zu erkennen…
Ich erinnere mich gerne zurück an meinen Französischunterricht. Meine Lehrer haben gewechselt, ich beherrschte die Sprache nicht, war frustriert und demotiviert. Doch dann kam da Frau Simons. In nahezu jeder Stunde rief sie mich an die Tafel um mich Vokabeln abzufragen, die ich allerdings nie gelernt hatte und dementsprechend mies waren die Noten die ich in diesen „Überraschungstests“ sammelte… Das machte ich solange mit, bis es mich so ärgerte dass ich mir dachte „der zeig` ich`s jetzt aber“ und ich habe alle Vokabeln gelernt, im Tests allerdings ein totales Blackout gehabt… Die Beispielsätze, an die konnte ich mich aber noch erinnern, Frau Simons sah also dass ich gelernt hatte und hat den Test ausnahmsweise nicht bewertet.

Frau Schöne und sogar mein Mathematiklehrer Herr Schweinsberg, der allerdings auch im Fach Englisch unterrichtet, halfen mir ungemein, meine Zeugnisse ins Englische zu übersetzen und Frau Schöne nahm sich immer Zeit, meine Ausfertigungen zu überprüfen um mein Englisch zu perfektionieren. Immerhin hatte ich ja das Ziel, in Kanada zu leben und zu studieren. Als ich nun in Kanada saß, die Schule so vermisste begann ich mich nach Universitäten umzusehen… Der Luxus der Lehrmittelfreiheit, den wir hier in Deutschland genießen, ist in Kanada leider nicht gegeben, sodass ein Studium für mich einfach unbezahlbar war. Ich habe also beschlossen, zu meinen Wurzeln zurückzukehren und in Deutschland Psychologie zu studieren. Mit der Unterstützung meiner Mutter habe ich mich dann noch von Kanada aus beworben und das Studium im Oktober 2010 aufgenommen. Leider war das für mich eine riesen Enttäuschung. Die Interaktion, das Philosophieren und Diskutieren das ich so liebte und vermisste wurden ausgetauscht gegen Vorlesungen und Seminare, die ausschließlich aus Referaten bestanden, wovon die meisten an unserer Schule wohl mit mangelhaft bewertet werden würden… Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich das vielleicht noch ändert und habe mich um das Deutschlandstipendium beworben, welches eine individuelle Förderung sowie regelmäßige Gruppentreffen zum gemeinsamen Finden von Lösungen verschiedener Probleme verspricht und Uni dann vielleicht wieder ein bisschen mehr Spaß macht.

Mit dem Bestehen meines Abiturs ging auf jeden Fall auch ein bisschen Heimat verloren und ich hoffe, dass die Verbindung mit Hilfe von z.B. der Jazz Matinee nicht ganz abreißt. Abschließend möchte ich mich bei Frau Besch, Frau Blatt, Herr Blume, Herr Dombrowski, Herr Kegler, Herr Klammt, Herr Kunitsch, Herr Pfannemüller, Herr Ponseck, Herr Rosewick, Frau Schöne, Herr Schweinsberg, Frau Simons, Frau Straßberger, Herr Wellstein und Frau Zufall für die außerordentliche Unterstützung während meiner wunderbaren Schulzeit herzlichst bedanken.
Auch ein ganz herzliches Dankeschön an Herr Pfannkuchen und Herr Kellnhofer, dank ihnen musste ich nie vor verschlossener Türe stehen und sogar meinen Autoschlüssel konnte Herr Kellnhofer hervorzaubern.

 

Eleni Koll, 04.10.2011